Flohmarkt entrümpeln alte Bücher loswerden BUREAUStyle

Die heilsame Kraft des Loslassens und meine Erfahrungen mit Flohmärkten

Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich habe ein neues Hobby. Nach dem ersten Mal wollte ich noch nicht groß schwärmen, aber wir beide (Matteo und ich) haben schon nach einer Stunde gemerkt, dass das „unser Ding“ ist.

Dass es mein Ding ist, das wusste ich schon mit acht Jahren. Damals kamen meine beste Freundin und ich auf die grandiose Idee Obst aus unserem Garten zu verkaufen. Damals lebte ich noch auf der Krim – Sonne satt von April bis Oktober – und wir wussten nicht wohin mit dem ganzen  Obst. Es gab auch keine Nachbarn, denen man damit eine Freude gemacht hätte, denn ihr ahnt es: Ja, sie hatten selbst viel zu viel und wussten nicht wohin damit.

Also stellten wir uns kurzerhand vor den Supermarkt (heutzutage undenkbar) und verkauften unser Obst. Die Passanten lächelten die ganze Zeit nur. Schließlich war das wie Eulen nach Athen tragen. Oder Eis in die Arktis. Oder… OK, ihr wisst, was ich meine.

Aber irgendwann kam eine Touri-Familie vorbei und die Mutter hat uns x-mal gefragt, ob denn der Preis aus wirklich stimmte, denn in Jalta, also direkt am Meer, haben sie das dreifache bezahlt. Mir leuchtete allerdings schon damals ein, dass die Preise in den Urlaubergebieten viel höher waren als im Landesinneren. Aber sie war sehr überrascht und hat uns alles (!) abgekauft. Soweit mein erstes Erlebnis mit Sachen verticken.

Auf dem Flohmarkt in Nürnberg läuft das Ganze natürlich einwenig anders und unsere Intention ist auch eine andere. Ursprünglich dachte ich mir, dass ich das ein oder andere, das ich nicht mehr trage oder brauche, loswerden würde. Aber schon nach dem ersten Flohmarkt Besuch waren wir wie beflügelt und haben unsere ganze Wohnung unter einem völlig anderen Gesichtspunkt betrachtet.

„Was könnten wir noch verkaufen?“

In einem russischen Zeichentrickfilm heißt es: Damit man etwas Unnötiges verkauft, muss man erst etwas Unnötiges kaufen. Und das ist so wahr!

Leider habe ich in den letzten Jahren zu viel Unnötiges angehäuft. Unser letzter Umzug liegt auch schon über sechs Jahre zurück. In dieser Zeit war ich entweder viel beruflich unterwegs oder wir hatten andere Prioritäten. Das regelmäßige Entrümpeln stand da wohl nicht auf dem Programm. Das kommt jetzt auf uns zurück.

Ich besitze einfach zu viel von allem: Klamotten, Kosmetik, Büchern…

Natürlich hat das Ganze eine Vorgeschichte. Es fing langsam an. Erst Marie Kondo gelesen, dann einen Finanzkurs bei Madame Moneypenny (absolute Empfehlung!) belegt… Zeit gehabt zu meditieren und über Dinge nachzudenken. Sehr viele Dinge.

Der erste Flohmarktbesuch war dann nur der letzte Tropfen, der mich endgültig zum Umdenken angeregt hat. Aber der Reihe nach.

Der Erlös aus dem Verkauf ist gar nicht das Entscheidende. Das Entscheidende war der Spaß und die Befreiung, die wir beide verspürt haben. Mit jedem Ding, das unseren Mini-Stand verließ, fühlte ich mich immer besser.

Seit über einem Monat habe ich mir nichts gekauft. Gar nichts.

Nicht mal ein Shampoo. Denn die Wahrheit ist: Ich habe einfach viel zu viel von allem.

Natürlich bekomme ich als Bloggerin auch ab und an Dinge zugeschickt oder geschenkt. Teilweise gehe ich Kooperationen ein und teste Produkte. Nach einem mehrtägigen Test habe ich das Produkt natürlich immer noch, das verschwindet ja nicht. Aber die Sachen, die ich zugeschickt bekomme, sind es noch nicht mal. Ich gehe Kooperationen bewusst ein und überlege mir genau, welches Produkt ich wirklich gut finde, testen und darüber berichten möchte. Diese Dinge sind es also nicht mal.

Vielmehr habe ich in den letzten Jahren (oder eigentlich gefühlt immer) viel zu viel konsumiert. Schon letztes Jahr hatte ich Phasen, in denen ich mein Konsumverhalten hinterfragt habe. In den letzten Wochen seit ich selbständig bin und generell sehr viele Dinge viel klarer sehe, hat es dann endgültig „Klick“ gemacht. Ich finde es selbst verrückt und manchmal sogar einwenig erschreckend. Eigentlich ist es ja etwas Positives, aber es fühlt sich noch sehr ungewohnt an.

Ich betrachte Dinge unter einem anderen Gesichtspunkt und habe ein anderes Bewusstsein für Qualität entwickelt. Zwar war ich nie eine Chicwish-Käuferin, aber in der Vergangenheit landeten viel zu viele H&M und Zara Teile viel zu schnell in meiner Tasche.

Und egal wie oft ich mir vorgenommen habe weniger zu kaufen, irgendwie hat es nie geklappt.

Ich find´s verrückt wie schnell es manchmal geht. Irgendetwas hat mein Unterbewusstsein getriggert und meine Weltsicht hat sich komplett verschoben. Es ist nicht nur der Konsum, es sind noch viele andere Dinge. Aber das mit dem Konsum merke ich einfach am stärksten.

Und so haben unsere Samstag Vormittage auf dem Flohmarkt viele gute Nebeneffekte:

  • wir kaufen insgesamt viel weniger
  • das, was wir kaufen, sind wirklich Lieblingsteile
  • wir räumen Dingen jetzt bewusst Platz in unserer Wohnung
  • man kann sich viel leichter trennen, wenn man ein Enddatum hat und nicht „erstmal was im Keller“ einlagert
  • mit jedem verkauften Stück (teilweise verschenke ich Sachen auch auf dem Flohmarkt), fühlen wir uns leichter und befreiter
  • eine Wohnung mit weniger Krempel macht einen freien Kopf und hat positive Auswirkungen auf unsere Gedanken

Sogar auf den Kauf von Lebensmitteln wirkt sich die Entrümpelung positiv aus. Ich kaufe nichts mehr „auf Vorrat“. Wenn man gegenüber einem Gemüseladen wohnt und im Umkreis von 500m drei Supermärkte sind, kommt mir der wöchentliche Einkauf geradezu lächerlich vor. Früher habe ich einfach viel zu viele Dinge gebunkert und ich frage mich wieso?

Alles in allem hat so eine Entrümpelung viele positive Aspekte. Ich habe bisher auch noch keinem Teil nachgeweint. Ganz ehrlich: Wenn der Verlustschmerz so groß wäre, könnte man sich die Dinge zur Not auch nachkaufen. Tut man in 99,9999 % der Fälle aber nicht (zumindest ist mir noch kein Fall bekannt).

Abgesehen vom Flohmarkt kann man Dinge natürlich auch auf andere Weise loswerden bzw. gegen etwas, das für einen selbst wertvoller ist, eintauschen:

Öffentliche Bücherregale

In Nürnberg nutze ich vor allem das Bücherregal am Dutzendteich. Man kann dort ganz unkompliziert Bücher vorbeibringen, ins Regal stellen und sich ein Buch mitnehmen. Matteo und ich haben eine einfache Regel: Egal wieviele Bücher wie hinbringen, meistens sind es so um die zehn, jeder darf nur ein einziges Buch mitnehmen. So kann man sichergehen, dass man nicht noch mehr Krempel anhäuft. Diese Regel funktioniert für uns sehr gut!

Stromkasten der Liebe

Es ist ein einfacher Stromkasten, der im besten Stadtteil der Welt – St. Johannis in Nürnberg – steht. Man bringt einfach schöne, nützliche und noch gut erhaltene Sachen hin und kann natürlich auch jederzeit etwas mitnehmen. Es ist sehr unkompliziert und es gibt sogar eine Facebook-Seite: https://www.facebook.com/stromkastenderliebe/ Bisher haben wir allerdings immer nur etwas vorbeigebracht und nie etwas mitgenommen. Entrümpeln und so…

Tauschparties

Ich habe im Frühjahr dieses Jahres eine Tauschparty bei mir zu Hause veranstaltet und es war richtig toll! Dazu habe ich Freundinnen eingeladen, die in etwa +/- dieselbe Größe haben. Danach wurde einfach getauscht nach dem Motto „Ich finde das Teil toll. Findest du auch was bei meinen Sachen? Dann können wir tauschen.“

Anfangs machte ich mir noch große Sorgen, dass man stets den Gegenwert der Dinge haben wollte. Aber das war gar nicht so. Alle haben sich über die neu „erworbenen“ Dinge gefreut und das war auch der Sinn der Sache. Irgendjemand kann noch etwas mit meinen „alten“ Dingen anfangen und braucht es sich nicht neu zu kaufen. Perfekt!

Habt ihr auch schon Erfahrungen mit Flohmärkten gemacht? Und wie werdet ihr nicht mehr gebrauchte Dinge los?

1 Kommentar zu “Die heilsame Kraft des Loslassens und meine Erfahrungen mit Flohmärkten

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