Richtig verkaufen auf dem Flohmarkt – 10 Tipps für mehr Erfolg

Seit Kurzem bin ich dem Verkaufen auf Flohmärkten verfallen. Anfangs war es nur so eine Idee, nicht mehr gebrauchte Dinge loszuwerden. Bei unserem ersten Käufer waren Matteo und ich aber schon so voller Adrenalin, dass wir uns gegenseitig ansahen und wussten: Das machen wir wieder!

Mittlerweile waren wir drei Mal auf dem Flohmarkt. Und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht. Ständig laufen wir durch unsere Wohnung und „entdecken“ Dinge, die man verkaufen könnte, weil wir sie einfach nicht mehr brauchen.

Meine aktuelle Entrümpelungsaktion (hier und hier geht es zum Anfang der ganzen Geschichte) startete schon vor vielen, vielen Monaten. Damals allerdings nur in meinem Kopf. Seit wir wirklich mit dem Ausmisten angefangen haben, ist vor uns nichts mehr sicher. Bisher habe ich allerdings keinem einzigen Teil auch nur eine Sekunde nachgetrauert! Ganz ehrlich: Man könnte sich alles nachkaufen.

Wir verkaufen schließlich keine Erinnerungsstücke oder Geschenke, die wir selbst bekommen haben. Insofern ist alles andere definitiv käuflich – also wirklich no regrets!

Dass das Verkaufen auf dem Flohmarkt heilsam ist, darüber habe ich schon geschrieben. Heute teile ich unsere ultimativen Tipps und Dinge, die wir selbst nirgends gelesen haben, sondern mehr oder weniger durch Zufall ausprobiert haben. Natürlich ist auch der ein oder andere Trick aus einem meiner zahlreichen Fachbücher zu Markt- und Werbepsychologie dabei.

Meine Tipps zum richtigen Verkaufen auf dem Flohmarkt

 

Immer lächeln

Regel Nr. 1: Immer lächeln und freundlich sein. Auch auf dem Flohmarkt steht der Spaß im Vordergrund. Niemand will von jemandem kaufen, der nur jammert, böse guckt oder einfach nur schlecht gelaunt ist. Deshalb: lächeln und freundlich sein – egal wie unverschämt die Anfragen sind.

Keine Preisschilder anbringen

Im Laden nervt es mich, wenn mir ein Produkt gefällt, keine Verkäuferin in Sicht ist und ich nicht weiß, was das Ding kosten soll. Auf dem Flohmarkt ist das anders. Die Menschen wollen miteinander in Kontakt treten. Preisschilder sind da eher kontraproduktiv und verhindern den Dialog. Wir haben bei unserer ersten Teilnahme am Flohmarkt gemerkt, dass die Preisschilder einfach nichts bringen – ganz im Gegenteil – und sie schnell entfernt. Danach brummte das Geschäft.

Immer in Bewegung bleiben

Kennt ihr diese Straßenhändler mit dem extrem nervigen Spielzeug, das sich ständig bewegt? Diese komischen „Tierchen“, die sich um einen Plastikball drehen? Vielleicht braucht das kein Mensch, aber es zieht Blicke an – garantiert! Alles was sich bewegt erweckt erstmal unsere Aufmerksamkeit. Dazu gibt es zahlreiche Studien, mit denen ich euch aber natürlich nicht nerven möchte.

Wie kann man das auf dem Flohmarkt umsetzen? Uns hat eine Porsche-Fahne geholfen. Auch diese wollten wir verkaufen und haben sie an dem Kleiderständer befestigt. Selbst einen kleinen Stand kann man so kaum übersehen. Außerdem hatten wir ein merkwürdiges Gerät, das die Armmuskulatur stärken soll. Es handelt sich um eine Art Hoola-Hoop für die Arme, nur etwas kleiner im Umfang. Dieses Teil schwingen wir ab und zu wenn wir so an unserem Stand stehen. Das hat den Nebeneffekt, dass wir das Ding trotzdem nutzen und so einwenig Armtraining nebenbei machen (perfekt!), aber es zieht auch alle Blicke auf sich. Und im zweiten Schritt schaut man sich dann alle anderen Produkte an – wenn man doch schon dabei ist und die Aufmerksamkeit geweckt ist.

Wühlkiste nicht vergessen

Es geht nichts über eine coole Kiste mit allerlei Krimskrams. Genau die Leute, die „nur mal schauen wollen“ und eigentlich nichts kaufen wollten, werfen einen Blick rein. Am besten funktioniert das natürlich bei kleinteiligen Dingen wie z. B. Kosmetik (aber dazu später mehr). Wir haben eine Kiste von einem bekannten schwedischen Möbelhaus, die man uns ständig abkaufen möchte (warum auch immer, schließlich gibt es sie dauerhaft im Möbelhaus um die Ecke?). Daran haben wir ein Schild mit „Jedes Teil 50 Cent“ befestigt. Und so viel sei verraten: Es ist unsere größte Einnahmequelle überhaupt.

Nachfrage schlägt Angebot

Nur so und niemals andersherum. Du magst das beste Angebot haben, aber was bringt es Dir, wenn es aktuell nicht nachgefragt wird? An einem konkreten Beispiel erklärt: Wir hatten beim ersten Mal zufällig ein paar Nagellacke dabei. Jeder Nagellack für 50 Cent – egal ob Chanel oder eine viel günstigere Marke. Diese waren am schnellsten weg. Selbst Männer, die keine Frau dabei hatten, meinten, dass sie ihrer Frau einfach mal einen mitbringen – mit 50 Cent kann man nichts verkehrt machen.

Als dann gezielte Nachfragen nach Kosmetik kamen, haben wir beim nächsten Mal reagiert und unser Angebot an die Nachfrage angepasst. Ich besitze sowieso viel zu viel Kosmetik, die zwar noch relativ neu und definitiv nicht abgelaufen ist, die ich jedoch nicht mehr benutze. Als ich meine Kosmetik-Reserven beim nächsten Mal aussortiert habe, stürzten sich alle Frauen (und auch einige Männer) darauf. Crazy! Ich hätte nie gedacht, dass ein Kajal oder ein Haarspray noch so reißenden Absatz finden würden.

Spaß haben

Eigentlich sollte das der Tipp Nr. 1 sein. Wer keinen Spaß am Verkaufen, an der Kommunikation mit Menschen und Flohmärkten im Allgemeinen hat, sollte nicht hingehen. Ehrlich! Es ist nicht der einzige Weg Dinge loszuwerden, also warum sich dazu zwingen und den ganzen Tag ein langes Gesicht machen? Außer Du willst professionell auf Flohmärkten verkaufen, also wirklich jedes Wochenende, überleg Dir, ob es Dir so viel Spaß macht. Rumzustehen und auszurechnen wieviel man eingenommen hat, was der „Stundenlohn“ ist und darüber zu grübeln, ob es sich gelohnt hat – das alles bringt einfach nichts. Also hab einfach Spaß an der Sache – das wird man Dir ansehen und Du wirst die Käufer damit magisch anziehen. Wetten?

Präsentation ist alles

Nicht nur die Ware sollte einigermaßen ordentlich und hübsch präsentiert werden. Auch Du solltest nicht mit Panda-Augen, einem uralten T-Shirt und schlechter Laune auf einem Flohmarkt aufkreuzen. Das Erscheinungsbild der Verkäufer sagt auch Einiges über die Produkte aus. Bevor sich jemand genauer mit Deinem Angebot beschäftigt, hat er Dich von Weitem gesehen und innerhalb weniger Sekunden die Entscheidung getroffen zu Deinem Stand hinzugehen. Wer also Fake-Markenklamotten trägt sollte sich nicht wundern, wenn man davon ausgeht, dass er auch solche nachgemachten Dinge verkauft. Oder eben minderwertiges Zeugs. Nein, das muss nicht schlecht sein:  Es gibt viele Menschen, die auf dem Flohmarkt Kleidung für einen Euro suchen. Wenn man so etwas verkauft, ist die Original Chanel-Tasche fehl am Platz. In dem Fall sollte man wirklich eher die Kleidung tragen, die dem Angebot entspricht. Andersherum aber genauso.

Emotionale Bindung ist nicht gleich Wert der Gegenstände

So hart es ist, aber es interessiert wirklich niemanden, dass Du Dir dieses Oberteil während Deiner Flitterwochen auf Maui gekauft hast und es für Dich einen unendlich hohen Wert hat. Für den Käufer ist es ein T-Shirt.

Also lass die Story sein. Das erweckt nichts außer Mitleid und das ist auf einem Flohmarkt fehl am Platz. Storytelling funktioniert, aber die Story muss den Käufer ansprechen, nicht die Story des Verkäufers widergeben. Du willst mit Geschichten verkaufen? Dann überleg Dir was Deinen Kunden anspricht. Nichts anderes macht die Werbung seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten. Wir kaufen Stories, aber die Story muss UNS berühren, nicht den Verkäufer.

Verhandeln, aber fair

Sind wir mal ehrlich: Auf den Flohmärkten wird gefeilscht was das Zeug hält. Dabei geht es nicht immer fair zu. Für Dinge, die 8 Euro kosten sollen einfach mal einen Euro anzubieten ist wirklich dreist. Ich liebe das Feilschen – für mich ist es eher ein Spiel und ich nehme das nicht zu ernst. Vordergründig will ich mit einem Flohmarkt-Verkauf nicht reich werden, sondern mich von (mittlerweile) ungeliebten Dingen trennen.

Neulich bot mir eine Frau für eine Marken-Hose, die ursprünglich 80 Euro gekostet hat und für die ich noch 6 Euro haben wollte, ganze 2 Euro an. Mal ehrlich 2 Euro! Dafür bekomme ich in der Innenstadt nicht mal mehr einen Kaffee. Einen Espresso vielleicht, aber auch den mit ganz viel Glück.

Sie hielt die Sporthose in der Hand und verhandelte weiter. Danach drehte sie sich zig Mal hin und her und entdeckte einen Fleck. Zugegeben: Ich habe ihn nicht gesehen, sonst hätte ich die Hose vorher gewaschen. Nun blühte sie richtig auf und wollte die Hose auf jeden Fall aber auf keinen Fall mehr als 2 Euro bezahlen. Als wäre ein Fleck die Rechtfertigung die Dinge quasi kostenlos zu bekommen.

Daraufhin meinte ich nur ganz emotionslos: „Gar kein Problem, geben Sie mir bitte die Hose. Ich wasche sie und verkaufe sie nächstes Mal dann eben für 8 Euro.“ Aus der Hand geben wollte sie sie aber doch nicht und hat mir nach ein paar Minuten zögern das Geld überreicht.

Verhandeln – aber klar! Veräppeln lassen muss man sich dennoch nicht.

Sich mit anderen Verkäufern vernetzen

Wegen jedem cm feilschen und sich über die Nachbarstände ärgern bringt gar nichts! So war unsere erste „Nachbarin“ am Flohmarkt: den ganzen Tag schlecht gelaunt und hat ihren Stand nur hin und hergeschoben, um ja keinen cm Fläche zu verlieren. Dabei hatte sie an die 20 qm während wir nur einen (!) qm gebucht haben. Irgendwie hatten wir aber mit unserem Mini-Stand einwenig zu viel Aufmerksamkeit. Woran das wohl lag?

Aber nur wenige Zeit später haben wir die ersten Kontakte zu anderen Verkäufern geknüpft. Sie haben gesehen, dass wir einen Stift dabei hatten und sich diesen kurz ausgeliehen. Als eine Frau an unserem Stand ein Kleid anprobiert hat, kam sofort die Frage „Brauchen Sie einen Spiegel?“ Gleich darauf kam schon unser Standnachbar mit einem riesigen Spiegel und hielt ihn der Frau so lange hin, bis sie sich von allen Seiten gesehen hat und sich für den Kauf entschieden hat. Mega nett von unserem Stand-Nachbarn, oder? Und das nur, weil wir ebenfalls hilfsbereit waren. Zum Ende des Tages (oder besser gesagt des Vormittags) kam auch noch seine Frau zu uns und hat drei Sachen mitgenommen. Sie hat kurzfristig erfahren, dass sie heute noch auf einen Geburtstag eingeladen war und brauchte eine originalverpackte Kleinigkeit. Dabei steuerte sie gezielt unseren Stand an, obwohl es noch mindestens 80 weitere Stände gegeben hätte. Geben und nehmen – so einfach es klingt!

Fazit: Wir zwei sind angefixt: Verkaufen auf den Flohmärkten macht so viel Spaß! Mehr darüber wie wir überhaupt dazu gekommen sind, kannst Du hier nachlesen.

Im Herbst werden wir noch das ein oder andere Mal auf einem Flohmarkt verkaufen. Der Keller ist leider noch voller Gerümpel…

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