Selbst und ständig – warum Du Dich mit anderen Gründern vernetzen solltest

Vorsicht, ein sehr persönlicher Post.

Ich sitze hier mit dem Laptop auf dem Schoß und kann es gar nicht glauben: Ein Kampf, den ich über ein halbes Jahr geführt habe, ging heute zu Ende. Dieses letzte halbe Jahr war richtig, richtig anstrengend. Und auch wenn ich nach außen immer schön gelächelt habe, tief im Inneren hat mir das ständige Kämpfen zugesetzt. Und zwar richtig.

Am liebsten würde ich jetzt einfach ans Meer fahren, mit dem Boot hinausfahren und einfach meinen ganzen Frust herausschreien. Ich kann es gar nicht in Worte fassen wie bescheiden es mir diesbezüglich in den vergangenen Monaten ging. Jeder Tag drehte sich um Formulare, Anträge und irrsinnige Telefonate. Irrsinnig deshalb, weil mir einfach niemals jemand geglaubt hätte, dass das überhaupt möglich ist. Wahrscheinlich haben alle, denen ich einen Bruchteil meiner Erlebnisse erzählt habe, gedacht, dass ich maßlos übertreibe. Dabei habe ich maßlos untertrieben.

Vor ein paar Wochen war Matteo zufällig zu Hause, als ich einen wiederholten Anruf bekam. Er ging ans Telefon und beschwerte sich anschließend so schräg behandelt worden zu sein. Ja, willkommen in meiner Welt! Genau so ging es mir über ein halbes Jahr. Ein halbes Jahr! Mal ehrlich, muss man das wirklich ertragen?

Dass in der Selbständigkeit nicht immer alles heiter Sonnenschein ist, danke, ich bin keine 20 mehr um das nicht zu wissen. #ironyoff

Ich habe in unzähligen Ländern dieser Welt mit Menschen aller Berufsgruppen verhandelt und habe noch nie solch eine Behandlung erfahren wie in den letzten sechs Monaten in der Stadt, die ich seit mittlerweile sieben Jahren als mein Zuhause bezeichne. Ich habe in Russland, China, Brasilien und fast jedem Land in Europa erfolgreich Projekte abgewickelt. Nicht selten ging dabei etwas schief und ich brauchte Hilfe. Ich weiß man sollte niemals nie sagen. Aber rückblickend kann ich behaupten noch nie in meinem Leben so behandelt worden zu sein.

Ich habe lange überlegt diese Geschichte öffentlich zu machen, um damit anderen Gründern zu helfen. Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht, ob ich das mache…

Denn der Witz ist ja, dass man als Selbstständige eben für sich selbst verantwortlich ist und egal wieviele Grabenkämpfe man gerade führt, irgendwie auch das Geld verdient werden muss. An dieser Stelle überlegt man es sich 3x, ob man die Zeit für Aufträge oder eher für „solche Geschichten“ aufbringt.

Und versteh mich nicht falsch: Es geht mir nicht um die Tatsache etwas nicht bekommen (oder nicht sofort bekommen) zu haben. Es geht um den Umgang und die Art und Weise wie mit mir kommuniziert wurde. Ich hoffe, dass meine Ansprechpartner sehr bald in den verdienten Ruhestand gehen. So haben sie dann einfach keine Problem-Fälle wie mich und müssen sich nicht mit Gründern wie mir beschäftigen. Am besten sie beschäftigen sich dann mit niemandem mehr, sondern haben ihre wohlverdiente Ruhe und niemand stört…

Ich wünsche es niemandem zu hören, dass man fälschlicherweise zwei Accounts angelegt hat und man selbst (!) sich nun bitte bei der hauseigenen IT melden soll, um das Problem zu klären.

Ich wünsche niemandem es sich anhören zu müssen, dass man doch bitte weiterhin jedes verdammte Mal, über sechs Monate lang, an der Hotline anrufen soll, sich verbinden lassen soll (wenn es denn klappt) und nur so mit der Sachbearbeiterin telefonieren kann. Nein, eine Durchwahl gibt es nicht. Wir haben schließlich 2018 und nicht 2058. Lassen Sie uns in Zukunft über eine Kommunikation auf Augehöhen sprechen. Digitalisierung? Kommunikation? Nie gehört!

Ich wünsche niemanden, dass man abgewiesen wird und der Vorschlag „jederzeit für ein Gespräch vorbeizukommen“ abgeschmettert wird. Kein einziger persönlicher Termin in sechs Monaten! I can prove it.

Und nein, das ist leider kein Scherz. Eine Behörde, die 20 Minuten von mir entfernt ist. 20 Minuten! Ich wäre jeden Tag auf der Matte gestanden, wenn man es mir erlaubt hätte. Ich habe tatsächlich überlegt vor dem Amt zu demonstrieren, damit mich die Damen und Herren doch bitte zu einem Gespräch einladen. Und auch das ist kein Scherz.

Ich wünsche niemandem am Freitag eine E-Mail zu erhalten, dass die Unterlagen nun doch endlich alle komplett wären, nur um am darauffolgenden Montag zu erfahren, dass dem nicht so wäre.

Wir schalten alle gern am Dienstag „Die Höhle der Löwen“ ein und diskutieren bei den Produkten mit, ob die Welt auf sie gewartet hat oder nicht. Aber wir vergessen auf den Weg zu schauen, den die Gründer gegangen sind. Und ich meine damit nicht den kurzen Weg vom Eingang bis zur Fernsehkamera.

Es ist ein Kampf und wir Gründer wollten ihn so.

Aber es ist ein ungleicher Kampf.

Im Internet und von allerlei Beratern bekommst Du unzählige Infos, Tipps und Tricks. Aber am Ende ist es alles Auslegungssache und eine Kann-Leistung.

Ich frage mich wie die Politik und die Wirtschaft mit einer Kann-Leistung, für die man über ein halbes Jahr kämpft, gegen die Googles und Amazones dieser Welt bestehen will?

Wo soll denn bitte die so vielgelobte und erhoffte Innovation entstehen? In der Zeit zwischen 9:00 und 17:00 Uhr? Zwischen „Rechner hochfahren“ und „Kaffee holen“? Oder doch während der Überstunden, wenn man bereits ausgestempelt hat (weil der Betriebsrat es sich so wünscht) und wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt ist?

Dieses überregulierte System macht nicht nur mich müde. Nein, es ist kein Frustartikel und ich beschwere mich nicht nach „gerade mal sechs Monaten“ und nein, auch bisher wurde ich nicht in Watte gepackt. Meine Eltern kamen 1993 mit zwei Kindern und drei Koffern nach Deutschland. Alles, was ich heute bin und besitze habe ich nur meinen Eltern und meinem eigenen Willen zu verdanken. Ich bin kein verwöhntes Kind, das erst nach Abschluss des Studiums zum ersten Mal ein Büro von innen gesehen hat und mit Sicherheit haut mich diese Erfahrung mit dem Amt jetzt auch nicht um.

Ich finde es einfach nur zum Schreien! Und mich wundert es nicht, dass so viele Menschen es gar nicht erst versuchen. Man kann ihnen nicht absprechen einen starken Willen zu haben. Vielmehr wiegen sie ab, ob sich dieser Aufwand, dieser Kampf gegen die Windmühlen überhaupt lohnt.

Die Theorie der sunk costs besagt, dass man, falls man bereits viel Geld „versenkt“ hat, genau überlegen muss, ob man weiterhin investiert. Oft begründen wir Investitionen damit, dass man ja bereits „so und so viel Geld investiert habe“. Genauso ist es mit der Zeit. Irgendwann rechtfertigt man die Situation damit, dass man ja bereits so und so viel Zeit investiert hat und jetzt nur noch ein paar Schritte zu gehen sind. Zu dem Zeitpunkt, als ich so gedacht habe, war es aber noch ein Marathon.

Aber weißt Du was? Ich bin ihn gelaufen und ich bin ins Ziel gekommen. Und f***, ja, ich fühle mich wie in dem Lied von Christina Aguilera: „Thanks for making me stronger.“ Deshalb will ich danke sagen. Danke für diese lehrreiche Zeit. Ich bin froh, dass ich von Natur aus keine dunklen Haare habe, denn jetzt wären sie mit Sicherheit grau. Danke an alldiejenigen, die mich ermuntert haben immer weiter zu kämpfen. Für mich kam zu keinem Zeitpunkt etwas anderes in Frage, denn mal ehrlich, sonst wäre ich wohl in der falschen Branche und fehl am Platz.

Ich möchte mich auch in Zukunft für all diejenigen einsetzen, denen es genau so geht wie mir in den vergangenen Monaten. Mich haben schon einigen Anfragen erreicht, wie ich es geschafft habe (damals hatte ich es aber noch nicht geschafft) und was die beste Strategie ist, um ans Ziel zu kommen. Damit wir alle in Zukunft keine „Strategie“ benötigen, sondern einfach bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen unterstützt werden, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Uns mehr austauschen und mehr vernetzen.

Aus genau diesem Grund werden, Digitalisierung hin oder her, reale Events, Messen und sonstige Treffen mit Mehrwert (!) niemals aussterben. Wer aus dem Marketing kommt und sich mit anderen Marketern vernetzen möchte, dem empfehle ich die XING-Gruppe Marketing Community Nürnberg. Ich leite diese Gruppe und organisiere regelmäßige After-Work Treffen.

Außerdem habe ich aus dieser Gruppe heraus das Unternehmerfrühstück in Nürnberg ins Leben gerufen. Wer dabei sein möchte, schreibt mir einfach eine Nachricht. Ich melde mich dann mit weiteren Infos.

Weiterhin bin ich Co-Organisatorin des Social Media Stammtisch Nürnberg. Wer in diesem Bereich aktiv ist – einfach eine Nachricht an mich und ich lade Dich in diese Gruppe ein.

Vernetzung und Austausch untereinander ist in jeder Branche wichtig. Für Gründer ist dieser meiner Meinung nach essentiell. Lass uns gemeinsam an unseren Zielen und Träumen arbeiten. Egal ob es sechs oder sechzehn Monate dauert – als Gründer ist man auf sich selbst gestellt. Und das ständig.

 

 

 

 

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