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Wo Du wirklich Kunden für Dein Business findest und wie ich es geschafft habe

Egal womit Du Dich selbständig machst: Irgendwann kommst Du an diesen nervigen Werbeanzeigen in so gut wie allen sozialen Netzwerken nicht mehr vorbei. An jeder Ecke gibt es unglaublich viele Tipps wie Du mit Deinem Business an Deine Traumkunden kommst. Es gibt Challenges, die Dir dabei helfen sollen herauszufinden wie Du Deine Kunden anziehst. Es gibt Kundenmagnete, Coachings zur Kundenfindung und all das kostet nach einer kostenlosen Challenge, versteht sich, eine Menge Geld.

Jedes Angebot hat seine Daseinsberechtigung. Und wenn das jemandem hilft, dann soll er oder sie das bitte unbedingt wahrnehmen. Wenn die Nachfrage da ist, warum nicht das entsprechende Coaching, den Online-Kurs oder ein sonstiges Angebot kreieren?

Dieser Artikel ist für all diejenigen, die keine Challenge machen wollen, sondern in nur wenigen Minuten erfahren möchten, wie sie Kunden finden. Ob das dann Deine Traumkunden sind, das musst Du schon selbst herausfinden. Jeder ist für sein Glück respektive seine Kunden selbst verantwortlich.

„Meinen ersten Auftrag bekam ich nachdem ich in einer XING-Gruppe kommentiert habe.“

 

Das war´s. Zwei Minuten meiner Zeit – ein laufender Auftrag, der mir monatlich Geld einbringt.

Klingt zu einfach? Das war es auch.

Was ich an dieser Stelle jedoch nicht verschweigen möchte, ist die Tatsache, dass ich bereits seit 2005 auf XING angemeldet bin. Zwar war ich nicht durchgehend die letzten 13 Jahre gleichermaßen aktiv, aber immer mal wieder, phasenweise.

Und das ist meiner Meinung nach auch das größte „Geheimnis“, das Dir in keiner Challenge verraten wird. Es bringt wenig mit Beginn der Selbstständigkeit einen Blog zu starten und darüber zu schreiben was Du so den lieben langen Tag so machst oder worin Du Experten-Wissen hast (noch so ein Buzzwort in diesem Bereich).

Wen willst Du heutzutage damit beeindrucken und wie willst Du für die Sichtbarkeit sorgen?

Ich weiß, dass es hart klingt und vielleicht meint Du gerade, dass das Leben unfair ist. Ich halte dagegen und behaupte einfach ganz frech, dass es genau so wie es ist extrem fair ist. Warum sollten 13 Jahre auf einem Business-Netzwerk nicht belohnt werden? Schließlich willst Du doch mit Deinem Blog auch schnelle Reichweiten aufbauen und suchst nach „DEM Geheimrezept“?

Aber mit einem Netzwerk ist es nicht getan.

Meinen zweiten Auftrag bekam ich, weil ich auf Facebook kommentiert habe. Dort bin ich seit 2008 angemeldet und kenne die Person, die mich angeschrieben hat, seit nunmehr fast drei Jahren. Auch so ein „Glück“ oder „Zufall“.

Für Ausreden dieser Art habe ich leider gar kein Verständnis, deshalb weiter im Text.

Auftrag Nr. drei kam nach einer Veranstaltung, die ich moderiert habe. Im Übrigen ohne Honorar. Ich werde auch oft gefragt, wie ich zu „unbezahlter Arbeit“ stehe. Dazu schreibe ich gerne einen separaten Blogpost, weil es mir wichtig ist Dir zu zeigen, dass die Fragestellung falsch ist und es keine „unbezahlte Arbeit“ gibt. Gerade bei Bloggern ist das ein ganz großes Thema. Vor allem bei den kleineren Bloggern und denjenigen, die gerade mit dem Bloggen anfangen. Wie gesagt, das Thema ist einfach zu vielfältig, um es hier in zwei Sätzen zu behandeln. Deshalb wird es noch einen separaten Blogpost geben.

Aber zurück zum Auftrag Nummer drei. Tatsächlich hat einer der Podiumsteilnehmer seine Idee mit mir geteilt und ich fand sie sofort genial. Ich habe ihm vorgeschlagen ihn beim Projekt zu unterstützen und freue mich sehr Dir schon morgen alles im Detail über dieses Projekt zu erzählen. Nur soviel vorab: Es geht um gutes Essen, tolle Shops und noch viele Insights rund um Nürnberg. Das Ganze wird Anfang Dezember veröffentlicht und ich bin mehr als happy Teil dieses Projekts zu sein.

Auftrag Nummer 4 bekam ich per Instagram. Damit habe ich dann bald alle Netzwerke durch, nicht wahr? Jedenfalls bekam ich eine Anfrage als Direktnachricht. Daraufhin folgte ein Telefonat, ein Treffen und der Vertragsabschluss. Wie die Person auf meinen Account kam, konnte sie sich nicht mehr erinnern. Und ganz ehrlich: Mir geht es oft genauso! Wenn ich von a nach b klicke und von dort aus nach c, stoße ich oft an richtig coole Infos und muss mir den Link unbedingt sofort speichern. Wenn ich das nicht tue, habe ich keine Chance meinen Weg zu diesem Link nachzuvollziehen. Gerade das nächtliche Surfen führt mich oft auf die besten Webseiten und Social Media Kanäle.

Jetzt denkst Du Dir vielleicht: OK, schön und gut, aber wie komme ich jetzt an die Kunden? Hast Du konkrete Tipps?

Klar habe ich die! Es ist keine Abkürzung (sorry, die gibt es wirklich nicht) und kein Geheimtipp. Im Grunde sollte sich jeder Selbstständige mit Marketing beschäftigen. Ja, ich rede mich leicht. Ich habe BWL mit dem Schwerpunkt Marketing studiert, über 12 Jahre Berufserfahrung im Marketing und Vertrieb und weiß wovon ich spreche. Auch in meinem Masterstudium habe ich mich für Markt- und Werbepsychologie entschieden. Aber weißt Du was? Auch ich bin längst nicht perfekt und mache auch Fehler.

Aber das ist gar nicht der Punkt.

Der Punkt ist, dass Du rausgehen sollst. Sprichwörtlich aber auch virtuell (hey, es ist immerhin 2018!)

Meine Tipps wie Du Deine Kunden findest:

1.Branding

Wer bist Du und wofür stehst Du? Weiß man das sofort oder muss man sich erst durch Deine gesamte Webseite durchwühlen, um es zu verstehen?

Heute hat einfach niemand Zeit. Wenn ich jemanden suche und auf seine Webseite / sein social media Profil komme, will ich auf den ersten Blick sehen worum es geht. Die Webseite lädt nicht oder ist nicht mobil optimiert? OK, Bye! Ja, ich weiß, klingt extrem hart. Und mit Sicherheit wird Dir der eine oder andere Fehler verziehen. Aber willst Du den potentiellen Kunden wirklich ziehen lassen? Dasselbe gilt übrigens für alle Branchen, auch für Online-Shops. Dort will ich auf den ersten Blick das Angebot sehen, gleich wissen wie ich bezahlen kann und alle wichtigen Infos nicht erst suchen müssen.

Mein Branding ist ganz einfach: Ich bin die, die in Nürnberg und München „irgendwas mit Social Media, Influencern und Events“ macht. Klingt vielleicht zu allgemein, aber es funktioniert. Außerdem bin ich die mit dem Lifestyleblog über ihre Selbstständigkeit – auch schon oft gehört.

Wie willst Du wahrgenommen werden?

2. Präsenz

Am besten zeigt man Präsenz schon bevor man etwas von anderen Menschen möchte (= Aufträge). Es ist immer besser spät als nie anzufangen, aber bitte mit der richtigen Einstellung. Vor allem bringt es wenig links und recht zu schielen und auf die Kontakte anderer neidisch zu sein.

3. Zu hohe Erwartungen

Gary Vaynerchuk hat dazu einen Klassiker geschrieben: „Jab, jab, jab right hook.“ Ich habe schon mit x Leuten über das Buch gesprochen. Die meisten interpretieren das als „drei Kundenkontakte vor dem Kauf“. In Wirklichkeit mein Gary V damit, dass man den Menschen drei Mal etwas gibt – ohne einen Gegenwert zu erwarten. Erst dann… Aber das weißt Du schon selbst.

4. Mehrwert

Welches Problem löst Du und wie kannst Du dem Kunden helfen? Was kannst Du besonders gut und vor allem wo hast Du Erfahrung? Natürlich kann man sich bereits nach dem Studium selbstständig machen. Aber was genau willst Du Deinem Kunden dann anbieten? Nicht falsch verstehen, irgendwo muss man ja anfangen und

5. Bleibe realistisch 

Von jetzt auf gleich wird man nicht ausgebucht sein. Außer Du gehörst zu dem 1% der Menschen, denen es so geht. Oder aber Du nimmst ein Angebot an, das Dich von Anfang an voll auslastet. Dann wärst Du jedoch ein Freelancer, kein Selbstständiger per Definition und das ist ein Unterschied.

Eine gewisse Bodenständigkeit ist enorm wichtig. Anfangs wirst Du viele „unproduktive“ Stunden haben, also Stunden, die Du dem Kunden gar nicht in Rechnung stellen kannst. Aber mit der Zeit werden diese weniger (im Optimalfall) und Du kannst Dich immer weiter steigern. Übrigens habe ich vor Kurzem einen genialen Weg entdeckt das Ganze zu tracken. Dazu aber mehr in einem separaten Artikel.

6. Geduld 

Und über allem steht die Geduld. Ja, ich weiß, es ist nicht einfach. Wenn ich an die letzten Monate denke, dann frage ich mich auch warum ich mich so gestresst habe. Versetze ich mich aber in meine Lage vor gerade mal 3-4 Monaten, kann ich es sehr gut verstehen. Damals hatte ich zwei unglaublich mikrige Aufträge und jeder, wirklich jeder, hat mir „den einen großen Auftrag“ gewünscht.

Am Ende kam alles anders und ich habe für mich beschlossen eben keinen „einen großen Auftrag“ anzunehmen. Vielleicht noch nicht. Vielleicht werde ich das nie tun. Seit wenigen Wochen weiß ich genau was ich machen will und welche Aufträge so gar nicht zu mir passen. Erst jetzt, nach über einem halben Jahr der Selbstständigkeit, ist mir klar, was genau ich den lieben langen Tag machen will. Bei mir ist es eine Mischung aus eigenen Projekten und Kundenprojekten. Ich kann sowohl kreativ sein als auch meinen Kunden strukturiert weiterhelfen. Genau diese Mischung macht mich aus.

Aber über all dem stand die Geduld. Ohne die kommt man nicht weit bzw. dreht man als Selbstständiger irgendwann durch. Ich wäre es fast. Mach Du nicht denselben Fehler.

#coffeebreak – Optikermeisterin Eva über ihren Start in die Selbständigkeit und die Zusammenarbeit mit Bloggern

In der Rubrik #coffeebreak spricht Eva über ihr Business, die Herausforderungen und warum der Start in ihre Selbstständigkeit alles andere als einfach war.

Schön, dass Du Zeit für ein Interview mit mir gefunden hast. Bitte stelle Dich doch mal kurz vor. 

Mein Name ist Eva, ich bin 28 Jahre alt und ich bin seit 4 Jahren die Geschäftsführerin der Optikmeisterei.

Ich bin Optikerin mit Leib und Seele, ich liebe meinen Beruf und freue mich jeden Tag auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen, die mich als Unternehmerin herausfordern.

Wann hast Du beschlossen Dich selbständig zu machen?

Ich war damals 21 Jahre als ich meinen Meister fertig hatte, ab da wuchs der Wunsch nach der Selbständigkeit. Mit 23 hab ich dann den Schritt gewagt.

Warum ausgerechnet in Erlangen?

Erlangen ist meine Heimatstadt, ich bin hier zu Schule gegangen, meine Ausbildung habe ich in Erlangen gemacht und meine Großeltern leben dort.

Ich liebe Erlangen, eine Studentenstadt mit hoher Lebensqualität, die offen ist für Neues, mit vielen unterschiedlichen Menschen aus den verschiedensten Regionen der Welt.

Auch die Kaufkraft ist in Erlangen sehr hoch, wir liegen Bundesweit auf Platz 8. Das ist für ein Unternehmen wie die Optikmeisterei, die ein hochwertiges Sortiment anbietet, ein sehr wichtiger Faktor.

Du nutzt die sozialen Netzwerke regelmäßig, um neue Produkte aus Deinem Shop zu zeigen. Wie wichtig ist Social Media für Dich und Dein Business? 

Social Media ist für mich ein sehr wichtiger Kanal für mein tägliches Marketing und für die Kommunikation mit meinen Kunden. Die Kunden wollen nicht nur Produkte kaufen, sie wollen auch ein Teil der Optikmeisterei sein. Sie interessieren sich auch für Dinge rund um unser Team.

Durch Social Mediakanäle habe ich die Möglichkeit, mehr von uns zu zeigen, auch auserhalb eines Verkaufgespräches.

Wir können beim Kunden den Wunsch nach einer Zweitbrille wecken, da er als erster die neuen Kollektionen sieht und dafür nicht erst in den Laden gehen muss.

Neuheiten verbreiten sich dadurch viel schneller und auf ein sympathischere Art und Weise 😉

Wie hast Du den Gründungsprozess erlebt? Hattest Du Unterstützung? 

Der Gründungsprozess war generell nicht einfach. Ich habe schon große Probleme gehabt, ein geeigentes Ladenlokal zu finden. Wenn ich eins gefunden hatte, was mir gefällt und wo ich auch das richtige Konzept hätte umsetzen können, waren da viele andere große Bewerber von Ladenketten mit großen Unternehmen im Hintergrund. Die werden von den Vermietern mehr gemocht, als eine 23jährige Unternehmensgründerin. So habe ich oft den Zuschlag nicht bekommen.

Auch einen Businessplan zu schreiben, war nicht einfach. Hier habe ich mir Unterstützung von der HWK Mittelfranken geholt. Leider ist diese nicht sehr hilfreich gewesen.

Ich habe das Glück, dass ich hier auf die Untersützung meiner Eltern setzen konnte und deren langjähriger Erfahrung als Unternehmer. Das hat mir geholfen, am Anfang das eigene Konzept zu durchdenken und vor allem durchzurechnen.

Die ersten Businesspläne sind von der Bank abgelehnt worden. Da muss man durchhalten.

Mit jedem neuen Businessplan habe ich dazu gelernt, konnte besser einschätzen, was für die Bank wichtig ist.

So habe ich zum Schluss dann doch meinen Gründerkredit bekommen und einen wundervollen Laden in einer unter Denkmalschutz stehenden, ehemaligen Apotheke in der Innenstadt von Erlangen anmieten können.

Wo hättest Du Dir mehr Hilfe oder einen Ratschlag gewünscht?

Ich hätte mir bessere Unterstüzung von der HWK gewünscht. Bei der Ausbildung zum Optikmeister habe ich vermisst, dass nicht vermittelt wird, wie man ein Unternehmen gründen kann.

Und ich finde, dass Deutschland noch viel mehr jünge Gründerinnen und Gründer braucht!

Du hast schon mit einigen Bloggern zusammenarbeitet. Was hast Du daraus mitgenommen und wie könnte Deiner Meinung nach die perfekte Zusammenarbeit mit Bloggern aussehen? Hast Du Tipps für andere Gewerbetreibende?

Es ist generell nicht einfach, alleine den richtigen Blogger für sich zu finden. Hier ist es empfehlenswert, sich professionelle Hilfe zu holen.

Wichtig ist von Anfang an zu vereinbaren, wie man sich eine Zusammenarbeit vorstellt. Wann soll das Bild gepostet werden wie ist die Verlinkung etc.

Hier musste ich auch schon schlechte Erfahrungen machen, da ich dies am Anfang nicht so deutlich vereinbart hatte. So passierte es, dass Bilder sehr spät gepostet wurden oder Markenverlinkungen auf dem Produkt sind, die mit meinem Unternehmen nichts zu tun haben.

Du hast kurz nach Deiner Gründung einen richtigen Tiefschlag erlebt. Magst Du darüber erzählen? Wie bist Du damit umgegangen und was hast Du daraus gelernt? 

Ich hatte acht Monate nach der Eröffnung der Optikmeisterei einen Einbruch, nach Vermutungen der Kripo durch eine osteuropäische Bande, die sich auf Optiker mit hochwertigem Sortiment spezialisiert hat. Mein gesamter Warenbestand im Einkaufswert von über 100.000 Euro wurde in dieser Nacht gestohlen. Ich hatte damals auch eine Linie mit preiswerten Brillen im Sortiment; die haben die Diebe liegen lassen – das waren Profis.

Dieser Schaden ist von der Versicherung, obwohl ich eine Einbruchdiebstahl-Versicherung abgeschlossen hatte, nicht getragen worden. Somit sitze ich bis heute auf den Kosten und muss diese jeden Monat Stück für Stück zurück bezahlen. Das ist hart.

Ich habe daraus gelernt, sich immer von mehreren Seiten beraten zu lassen wenn es um Sicherheit geht und dass immer Dinge passieren können, auf die wir keinen Einfluss haben. Das ist das Risiko, welches wir als Unternehmer tragen müssen.

Welche Tipps würdest Du angehenden Gründern mit auf den Weg geben? 

Habt Geduld und Durchhaltevermögen und hört nicht so sehr auf alle Kritiker. Durchdenkt euer Business gut und lasst auch noch einmal jemand mit Sachverstand eine kritischen Blick darauf werfen.

Schreibt unbedingt einen Businessplan, auch wenn ihr diesen vielleicht nicht für eine Bank braucht. Es zwingt den Gründer, seinen Markt zu analysieren und das Vorhaben zu kalkulieren. Wenn ein Business schon auf dem Papier keinen Gewinn erzielt, lasst die Finger davon oder verbesssert das Konzept.

Vielen Dank für das Interview, liebe Eva!