Barcelona – Eine Stadt, der Terror und die sozialen Medien5 min read

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Es ist ein Tag wie jeder andere und wir verbringen den Feierabend bei einem gemeinsamen Picknick an der Pegnitz. Wir haben leckere Salate, Getränke, Naschzeug und die Sonne strahlt genau richtig. Es ist nicht zu warm und nicht zu kalt. Könnte es noch perfekter sein?

Zwischendurch albern wir auf Insta Stories rum. Ich beantworte noch hier und da ein paar Nachrichten und scrolle weiter durch meinen Feed.

Ich nutze Instagram längst nicht mehr als Foto-Plattform. Oft schaue ich mir noch im Bett ein paar Stories an und lese Nachrichten.

Genauso habe ich über Instagram von so ziemlich jedem Anschlag, jedem großen Ereignis in letzter Zeit erfahren.

Zum Thema Brexit postete eine mir bekannte Bloggerin aus Großbritannien „Britain what have you done?!“ Irgendwie bin ich damals mit dem sicheren Gefühl, dass GB für den Verbleib in der EU stimmen würde, ins Bett gegangen. Als ich aufwachte war alles ein Stück weit anders.

„Leg doch das Handy weg, es wird nicht besser“

Ich soll nicht so viel am Handy abhängen, wenn wieder mal etwas passiert ist. Davon würde es nicht besser werden.

Ja, das sieht mein rationales Ich auch so.
Aber wann ist man schon rational?

Ich kenne kaum jemanden in meinem direkten Umfeld, der noch nie in Barcelona gewesen ist. Barcelona ist eine meiner absoluten Lieblingsstädte. Ich war schon oft dort und natürlich auch auf der Ramblas. Es ist nicht so, dass ich mir ständig ausmale was gewesen wäre wenn… Ich habe keine Angst um mich oder auch keine Vorstellung davon was ich tun würde wenn…

Es ist einfach nur ein tieftrauriges Gefühl, das sich rasch ausbreitet und gegen das ich nichts, aber auch wirklich gar nichts, tun kann. Es ist die Ohnmacht, die mich überkommt wenn ich die Angst in den Gesichtern der umherirrenden Menschen vor Ort sehe. Es ist die blanke Wut auf immer dieselben Reden, die so gar nichts mit dem Leben der Betroffenen zu tun haben. Diese endlosen Reden der Politiker, die voller Floskeln sind. Und die Reden derjenigen, die wieder Hass sähen wollen und die Situation für sich nutzen.

Ich will auch keine Katzenbilder teilen, nur um „die anderen“, „die bösen Kommentatoren“ zum Schweigen zu bringen. Wer hat sich diesen Quatsch eigentlich ausgedacht?

Twitter ist bei Anschlägen Fluch und Segen zugleich

Nirgends werden Informationen so schnell geteilt wie auf Twitter. Meldungen, die erst Stunden später im Fernsehen laufen, wurden auf Twitter in der Zwischenzeit schon tausendfach retweetet. Oft sind diese vorher nicht überprüft worden und mir ist vollkommen klar, dass die TV-Redaktionen das anders handhaben.

Dennoch war Twitter für mich jedes Mal, bei jedem Anschlag und jedem Ereignis eine wichtige Informationsquelle. So auch dieses Mal als sich die Ereignisse überschlugen und Informationen ungefiltert geteilt wurden.

Ich habe keines der geteilten Videos angesehen.

Warum auch? Was bringt es mir verletzte Menschen auf der Straße liegen zu sehen? Ist es wirklich das, was die Menschen sehen wollen?
Wenn das so ist, dann macht mich sowas nur noch trauriger.

Während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen und ich das hier schreibe, bringt n-tv wieder eine neue Meldung. Der rote Balken, der im TV bei “Breaking News” eingeblendet wird, scheint gar nicht mehr wegzuwollen. Als hätte ihn jemand eingeblendet und vergessen ihn wieder wegzumachen.

Wieder ein blinkender Balken, wieder “Breaking News”. Dieses Mal ist es Finnland. Jemand lief mit einem Messer rum und hat scheinbar wahllos auf Passanten eingestochen. Nichts Genaueres weiß man nicht, aber die Nachrichten überschlagen sich. Schon wieder.

Manchmal ist es ganz nah, dann wieder weit weg

Es ist nicht der erste Anschlag, nicht die erste Katastrophe für Betroffene und Angehörige. Aber manchmal erscheint uns alles so weit weg, während es ein anderes Mal wieder sehr, sehr nah ist.

Als es die Angriffe in der Regionalbahn bei Würzburg gab, bekam ich zahlreiche Nachrichten, ob alles gut wäre. Einen Tag zuvor war ich in Würzburg und das haben Familie und Freunde natürlich mitbekommen. Nun wussten sie nicht, ob ich noch dort war und waren teilweise ganz panisch, als sie sich bei mir meldeten.

Komischerweise erschien mir das alles weit weit weg. Natürlich konnte ich die Sorgen verstehen. Ich selbst hätte wohl genauso reagiert. Aber fühlte sich an, als wäre das alles weit, weit weg, obwohl doch so nah. Barcelona ist sehr viel weiter weg als Würzburg und dennoch nimmt mich gerade dieser Anschlag unglaublich mit. Ich kann es mir einfach nicht erklären.

Aber vielleicht gibt es einfach keine Erklärung dafür. Niemand kann erklären, warum er sich gerade für diesen einen Menschen interessiert oder sich an einem speziellen Ort sehr wohl fühlt. Meistens ist es auch nicht zu erklären. Wir wissen, was uns gefällt und haben keine Ahnung warum das so ist. Die Psychologie liefert hier tausend Erklärungsversuche und kann es am Ende doch nicht erklären.

Genauso ist es bei schlimmen Ereignissen. Manchmal scheint man den Schmerz, die Angst und die Ohnmacht der Betroffenen direkt spüren zu können. Ein anderes Mal ist dieses Gefühl ganz weit weg. Wir fühlen mit, fühlen uns jedoch nicht betroffen. Es ist verrückt wie unterschiedlich man jede Tragödie auffasst.

Aber gerade Barcelona… Wie gesagt, ich weiß nicht warum mich gerade diese Stadt so fasziniert und weshalb mich der Anschlag jetzt so mitnimmt.

Ich werde mich jedenfalls nicht davon abschrecken lassen und wieder nach Barcelona reisen.
In Erinnerung habe ich ein paar Bilder von einem unserer letzten Barcelona Trips rausgesucht. Ich muss demnächst unbedingt einen Travel Guide für diese wunderschöne Stadt veröffentlichen. Falls ihr noch nicht dort wart: Diese Stadt ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Wie haben euch die Ereignisse der vergangenen Tage bewegt? Werdet ihr weiterhin ganz unbeschwert reisen oder habt ihr nun ein schlechtes Gefühl dabei?

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