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Ups, irgendwas ist schiefgelaufen.

Ah, was war das für ein spannendes Wochenende! Zumindest für all diejenigen, die #bloggergate verfolgt haben.

Für all diejenigen, die es nicht mitbekommen haben, hier eine Zusammenfassung.

Eine Vloggerin (hauptsächlich auf YouTube unterwegs) hat eine Anfrage an ein Hotel geschrieben. Soweit so gut. Für alle Nicht-Blogger/Vlogger/Influencer ein kleiner Hinweis: Es ist mehr oder weniger gängig Kooperationen mit Hotels auszuhandeln.

Kleiner Exkurs: So laufen Kooperationen mit Hotels ab. Normalerweise…

Dies läuft normalerweise folgendermaßen ab:

Blogger / Vlogger / Instagrammer / Whatever schreibt ein Hotel an. Im Idealfall erklärt der Blogger (ich bleibe jetzt mal bei diesem einen Begriff, die anderen sind aber genauso angesprochen) wie er sich die Kooperation vorstellt und welchen Vorteil es dem jeweiligen Hotel bringt, wenn er/sie das Hotel auf seinem Blog vorstellt, im Video erwähnt etc. Man kooperiert miteinander. Es ist auch nicht mit einer E-Mail getan, denn Details werden entweder in mehreren Mails geklärt oder (noch besser) telefonisch besprochen.

Warum bekommt man hierfüg Geld?

Ganz einfach: Weil man eine Leistung erbringt. Man erstellt einen Blogpost, ein Video, macht Fotos, Insta Stories… Die Liste ist lang. Kurzum: Man tut auch etwas für sein Geld. Nach wie vor ist Influencer Marketing für viele ein Mysterium und ein Blogpost wird daran kaum etwas ändern, deshalb mehr dazu an anderer Stelle.

Zurück zum Fall #bloggergate. Wie gesagt, im Idealfall läuft eine Kooperation so ab.

In diesem Fall lief es leider einwenig anders ab. Die besagte Vloggerin schrieb eine Anfrage ohne Anrede. Soweit so schlecht. Dann ging es weiter im Text: unpersönlich, kein Bezug auf den Aufenthalt, keine Idee was genau sie sich vorgestellt hat… Die Forderung hat sie jedoch ganz klar formuliert: 5 Nächte. Den Freund nimmt sie mit – logisch. +ironyoff+

Und hier kommt die Gießkanne ins Spiel.

Warum? Warum nur gibt es im Jahr 2018 noch immer solche Gießkannen-Anfragen? Einmal vorformuliert oder am besten noch das vorgefertigte Formular aus einer der zig Tausend Facebook-Gruppen verwendet und ab geht die Massenmail. Was möchte ich mit dem Blogpost / dem Video aussagen? Welchen Leistung erbringe ich als Vloggerin? Passt meine Zielgruppe zur Zielgruppe des Hotels? All die Fragen (und noch viele mehr) stellt man sich normalerweise als professioneller und vor allem authentisch agierender Blogger / Vlogger im Vorfeld einer Kooperation.

Die Vloggerin ist 22. Im ersten Moment dachte ich mir: Ja komm, sie ist halt auch jung.

Andererseits wäre sie, hätte sie z. B. eine Ausbildung gemacht und die Schule mit 15 beendet, schon seit sieben Jahren im Beruf. Würde man dann immer noch beide Augen zudrücken und bei einer solchen Anfrage in einem beruflichen Umfeld denken, dass sie das Ganze ja „erst seit sieben Jahren“ macht? Wohl eher kaum.

Ich habe es zumindest noch nie erlebt, dass Praktikanten oder Auszubildende (und die sind meist noch viel jünger) sich entsprechend angestellt hätten. Und ich stehe seit 2016 im Berufsleben…

Was die Vloggerin hätte anders machen können (müssen), dazu komme ich später zurück.

Das besagte Hotel im #bloggergate

Schauen wir uns mal die Reaktion des Hotels an. Diese könnte mittlerweile ebenfalls Bände füllen! Denn das Hotel bzw. dessen Betreiber hat mehr oder weniger pfiffig reagiert. In der Zwischenzeit hat er kostenlose PR ohne Ende. Ich warte nur noch auf die Berechnungen der Marketing-Experten welchen monetären Wert die ganze Aktion für ihn hatte.

Denn nachdem er die Anfrage öffentlich gemacht hat, ging die ganze Geschichte erst viral. Zwar hat er die Kontaktdaten geschwärzt, aber beim ersten Lesen dachte ich mir, dass es nicht sein ernst sein konnte. Das war es aber.

Da hat jemand die geschäftliche Kommunikation veröffentlicht. Briefgeheimnis? Vollkommen überbewertet! In meinen Augen ist das ein absolutes no-go. Wenn ich E-Mails verschicke, dann erwarte ich, dass die Kommunikation nur zwischen mir und dem Empfänger stattfindet. In vielen E-Mails ist ein entsprechender Hinweis enthalten. Vielleicht ist das in Irland anders – ich weiß es nicht.

Es dauerte nicht lange, bis bekannt wurde um welche Vloggerin es sich handelt und dann ging der Zirkus erst richtig los. Die Vloggerin erhielt viel Unterstützung seitens ihrer Kolleginnen. Sie bat wohl auch um Unterstützung und andere Vlogger-Freunde hinterließen 1*-Bewertungen. Soweit so ehrlich und authentisch. Nicht!!! Diese „Bewerter“ haben das Hotel wohl noch nie von innen gesehen und können de facto auch gar nichts darüber sagen.

BloggerBUREAU und die einzige 1*-Bewertung

Erinnerte mich gleich an meine einzige 1*-Bewertung auf der Facebook-Seite von BloggerBUREAU: Ich habe eine Buch-Bloggerin für ein Fashion-Blogger Event abgelehnt, woraufhin sie mir eine 1*-Bewertung hinterließ. Dass sie das Event nie besucht hat – geschenkt. Ja, so ist es oft bei den Bewertungen…

Der Hotelier erhielt ebenfalls viel Rückendeckung seitens derjenigen, die „diese Influencer“ zum Teufel wünschen.

Interessant fand ich seine Begründung. Schließlich hätte er Personal, das er bezahlen müsse.

Dazu muss man einfach sagen, dass das Argument nur teilweise richtig ist. Natürlich muss das Hotelpersonal bezahlt werden. Aber macht das Hotel keine Werbung? Oder muss diese Marketing Agentur auch nicht bezahlt werden?

Dem gegenüber steht in diesem Fall das Argument, dass der Hotelbetreiber selbst ein Marketing-Genie ist, der a) schon viel Werbung auf Facebook macht und b) selbst einen eigenen Blog betreibt. Auch hier hat die Vloggerin einfach schlecht recherchiert. Denn hier stellt sich die Frage, wo sie einen Mehrwert für das Hotel gesehen hat? Wie hätte sie diesem zu mehr Sichtbarkeit verhelfen können, wenn sie auf dem Gebiet sowieso schon extrem erfolgreich sind? Bei ihrem „Angebot“ hätte sie spätestens hier eine Schippe drauflegen müssen bzw. merken müssen, dass das vielleicht nicht das richtige Hotel für solche eine Anfrage (und die war leider grottig) ist.

Was mich an dieser Geschichte nervt und teilweise auch traurig macht, ist die Art wie hier Menschen miteinander kommunizieren. Persönliche Mails werden veröffentlicht (Hotelier), Menschen erstellen ein Video, wenn sie mit einer Reaktion unzufrieden sind (Vloggerin), Außenstehende, die beide Parteien nicht kennen, erlauben sich Urteile über die Personen (das halbe Internet) usw.

Ja, es ist ein Business. Man braucht hier ein dickes Fell, weil nicht immer alles glatt läuft. Man muss täglich Niederlagen, Kommentare im persönlichen Umfeld, Kommentare von anonymen Konten einstecken… Die Liste ist ellenlang. Jeder meint seine persönliche Meinung abgeben zu können. „Du bist doch eine öffentliche Person.“

Man stelle sich vor ein Facebook-Kontakt schreibt unter ein Bild eines anderen Users „Du bist fett.“ Das ist Cyber-Bullying.

Hat man aber angegeben Blogger / Vlogger zu sein (egal wieviele Follower man hat) und veröffentlicht exakt dasselbe Bild, hat mit mit demselben Kommentar gefälligst zu leben. Schließlich ist man „eine öffentliche Person“.

Wo ist da bitte nochmal ein Unterschied?

Ich habe noch nie unter einem Kinderfoto, öffentlich für alle sichtbar in einem Profil auf Facebook gepostet, gelesen, dass man doch bitte seine Kinder nicht ins Netz stellt, solange sie nicht selbst alt genug sind, um darüber zu entscheiden. Bei Mama-Bloggern ist diese Diskussion gang und gäbe! Erst diese Woche wurde wieder eine Bloggerin mit Kind kritisiert, dass sie Fotos ihrer Tochter zeigt.

Ist das Foto, gepostet von einer Mutter (Nicht-Bloggerin) wirklich weniger „schlimm“ im Vergleich zu demselben Bild gepostet von einer anderen Mutter (Bloggerin)? Ist es wichtig welche Reichweite man hat, sprich, wieviele Menschen das Foto sehen? Nein, überhaupt nicht! Die eine erhält Kommentare „wie süß das Bild wäre“, die andere „was sie für eine Rabenmutter“ ist.

Ich finde das wirklich traurig. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen und die Kommunikation in den sozialen Netzwerken läuft regelmäßig aus dem Ruder.

Völlig unabhängig davon, wer in dieser Geschichte recht oder unrecht hat: Ich finde beide hätten hier anders agieren und reagieren können und sollen. Aber warum muss es immer so ausarten? Warum müssen Menschen andere Menschen beleidigen?

Im Übrigen hat der Hotelier das nicht zum ersten Mal getan. Zuvor mussten schon Veganer dran glauben.

Auch stillende Mütter waren mal Ziel seiner verbalen Angriffe. So gesehen erscheint die Geschichte in einem etwas anderen Licht. Und längst haben das auch Marketing-Genies erkannt und ihn öffentlich für „diese Aktion“ gelobt. Ja, der Gegenwert dieser Kampagne ist irre hoch.

Was vom #bloggergate bleibt

Wenn sich aber wieder alle beruhigt haben und die Welt sich wieder weiterdreht, fragt sich da niemand, ob das alles so OK war? Haben wir uns schon so sehr daran gewöhnt andere Menschen im Netz zu beleidigen und auch beleidigt zu werden? Ich finde diese Entwicklung unschön. Vielleicht glaube ich aber auch einfach zu sehr an das Gute in Menschen – keine Ahnung.

Hier geht es zum Video der Vloggerin.

Sachlich geführt fände ich die Diskussion aber super. Gut für die Leser, die erkennen, dass der eine oder andere Blogger Lobhudeleien auf ein Hotel schreibt, in das er sonst vielleicht niemals gefahren wäre. Auch ich muss mich regelmäßig wundern, dass 5*-Häuser Kooperationen mit Bloggern eingehen, die sonst in ganz anderen Kategorien (so um die 4 Sterne weniger) nächtigen. Das ist einfach unglaubwürdig und hier bin ich für mehr Transparenz. Am Ende käme es allen zugute: den professionellen Bloggern (dabei meine ich die Einstellung, nicht automatisch Vollzeit-Blogger), den Lesern sowieso (mehr Transparenz) und nich zuletzt den Kooperationspartnern.

Wirklich alle Seiten würden davon profitieren. Nach wie vor ist hier viel Aufklärung nötig – auf beiden Seiten.

Bei aller Unterhaltung geht es hier doch um Menschen und deren Gefühle.

Einziger Trost für beide Seiten: Sie haben beide gut verdient und extrem von der Situation profitiert.

Solange sie happy sind – alles fein. Das besagte Hotel würde ich persönlich nicht buchen. Ich bin keine Veganerin, aber diesen Mainstream in Form von „lasst uns eine bestimmte Gruppe rauspicken und diese ohne Ende bashen“ finde ich einfach nur pubertär und auch wieder beleidigend.

Ich kann mich noch genau erinnern wie über einen Jungen in meiner Schule hergezogen wurde, nur weil er schwul war. Viele Jahre später ist es nichts Außergewöhnliches mehr schwul zu sein. Wer sich darüber noch aufregt, lebt doch echt hinterm Mond. Jetzt sind es Veganer, Blogger und stillende Mütter (aus Sicht des besagten Hoteliers).

Diese Aussage ist das, was am Ende bleibt. Der Grund, weshalb ich nicht in diesem Hotel übernachten möchte.

Was die Vloggerin angeht, so wurde ich hier nicht überrascht. Mir war einfach schon immer (bzw. schon länger) klar, dass eben nciht alle Blogger / Vlogger authentisch sind. Ohne sie angreifen zu wollen: Sie ist einfach nicht die Art Vloggerin, deren Videos ich anschauen würde und deren Empfehlungen ich trauen würde. Ich bin schlichtweg nicht ihre Zielgruppe.

Ich verstehe sehr wohl, dass viele Eltern sich hier an den Kopf fassen und ihre Kinder vor solchen „Influencern“ (ich hasse das Wort nach wie vor) schützen wollen. Und sie müssen es sogar! Mediale Aufklärung ist so, so wichtig!

Aber genauso wie ich nicht sagen kann, dass alle Ärzte schlecht sind, wenn ich mal einen Termin bei einem unfähigen Arzt hatte, genauso wenig können Unternehmen / Hotelbetreiber / whoever sagen, dass alle Blogger unehrlich sind. Und auch wenn von einer Blogosphäre die Rede ist, am Ende ist es doch keine schlossene Gruppe. Die einen sind authentisch, die anderen nicht. Die einen kennzeichnen Werbung und Kooperationen im Allgemeinen, die anderen tun es nicht. Alle über einen Kamm zu scheren war noch nie eine gute Idee und hat bisher auch niemanden weitergebracht.

Ich freue mich schon sehr auf das Podium zu Influencer Marketing am kommenden Donnerstag. Hoffentlich geht es da nicht um „die Influencer“ und „die Unternehmen“. Es gibt genug professionelle Influencer und auch viele unprofessionell agierende Unternehmen oder Agenturen. Also bitte, einwenig mehr Professionalität auf beiden Seiten und weniger betteln, schmollen oder beleidigen.

Wer nochmal alles nachlesen / anschauen möchte:

Die Anfrage der Vloggerin.

Die Antwort darauf.

Das Video der Vloggerin. Übrigens schon jetzt über eine Million Klicks…

Dazwischen gab es viele Beleidigungen und Anschuldigungen auf beiden Seiten. Viele 1*-Bewertungen, aber auch viele 5*-Bewertungen. Klicks für die Vloggerin, neue Facebook-Fans fürs Hotel usw. Aktuell läuft eine Abstimmung für den besten T-Shirt Spruch zum Thema…

Noch während ich den Artikel hier verfasst habe, erkennen manche User den Unterschied zwischen „Authentizität einfordern“ (das ursprüngliche Anliegen des Hoteliers) und Diskriminierung ganzer Gruppen (ob Blogger im Rahmen des #bloggergate oder eben Veganer just because…):

Zum Glück bin ich nicht die Einzige, die gegen die Diskriminierung ganzer Gruppen ist (Veganer). Dabei bin ich nicht mal Teil dieser Gruppe.

Wer hat profitiert – interessante Berechnungen des PR-Werts.

Zum Schluss noch das Statement des Hoteliers.
Beitragsbild: Quelle YouTube

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