Clubhouse – alles über die neue App, meine Erfahrungen und Tipps

Samstag Mittag hat ein Freund in seiner Story über die App erzählt. Ich habe zuvor darüber gelesen (den von ihm verlinkten Artikel), mir aber sonst kaum Gedanken darüber gemacht.

OK, man braucht eine Einladung. Ich hatte keine.

Es soll eine reine Audio-App sein. So what?

Als er meinte, dass er unbedingt in diesen Club reinwill, habe ich ihm nur gewünscht, dass es bald klappt. Da dachte ich noch: Er wird mir dann erzählen wie es ist und ob es sich lohnt…

Samstag Nachmittag war meine Welt noch in Ordnung.

Am frühen Abend bekomme ich eine Nachricht mit der Frage, ob ich einen Invite (so heißt die Einladung auf Clubhouse) will. OK, cool, klar. Mal reinschauen und dann bin ich auch schon wieder raus.

Haha, dachte ich…

Grundsätzlich teste ich sowieso alle möglichen Tools. Und dann teste ich die Alternativen zu den Tools. Und irgendwann bin ich darin fit und kann diese Tools meinen Kunden empfehlen. Ich empfehle grundsätzlich nichts vom Hörensagen. Das ist in meinen Augen selbstverständlich.

Ich bin also keiner App gegenüber prinzipiell abgeneigt. Also dachte ich mir „einfach mal ausprobieren“.

Gefühlt 48 Stunden später bin ich „aufgewacht“. Oh mein Gott, was ist das bitte für eine App?

Kurz die Vorteile (aus meiner subjektiven Sicht natürlich):

  • kein Einloggen, man klickt sich einfach rein
  • noch ein Klick und man ist in einer Gruppe mit Leuten, die sich gerade zu einem Thema unterhalten
  • die Leute auf der Plattform kennt man (manche persönlich, die meisten über LinkedIn, bisher ist es immer noch eine Marketing/Gründer-Bubble)
  • die Themen sind alle aktuell
  • es werden sehr coole Tipps geteilt (vorausgesetzt man ist in der richtigen Gruppe. Wobei man mit einem Klick auch wieder raus ist).

Die Nachteile:

die Zeit vergeht sehr schnell und prompt hat man 2 Stunden in der App verbracht ohne es zu merken

am 4. Tag frage ich mich wann die Leute arbeiten. Manche sind permanent online und gefühlt immer am Sprechen

Datenschutz. Die App greift auf die Kontakte im Telefonbuch zu (dazu komme ich gleich nochmal)

manchmal bleibt ein schaler Beigeschmack: was genau hat es mir jetzt gebracht, dass ich 2 Stunden online war und in der Zeit weder etwas gearbeitet noch effektiv Zeit mit meiner Familie verbracht habe?

Der Hype is real.

Ja, das definitiv. Es gibt auf Instagram und LinkedIn kein anderes Thema mehr. Kaum mehr Content, der mich interessiert. Die Podcasts, die ich sonst täglich gehört habe – vernachlässigt.

Und doch ist die App auf vielerlei Gründen cool.

Ich finde vor allem die englischsprachigen Gruppen bzw. Chats zu Social Media cool. Tatsächlich habe ich für mich schon viel Neues mitgenommen und werde den ein oder anderen Tipp umsetzen.

Einen Chat rund um das Thema Beziehungen fand ich ebenfalls großartig. Eine Story blieb mir dabei besonders im Kopf. Es ist also NICHT so, dass wirklich nur Marketing- und Gründerthemen behandelt werden (aber eben doch hauptsächlich).

Es gibt aber auch die weniger schönen Geschichten. Twitter „hilft“ dabei diese zu finden. Immer. Auf Twitter ist Verlass. Auch beim Thema Clubhouse. So gibt´s da unendliche Diskussionen mit wem man diskutieren sollte und mit wem nicht. Anscheinend gab es eine politische Diskussion und das eine Lager hat gegen eine Journalistin aus dem anderen Lager gewettert und dazu aufgerufen sie zu melden. Das haben wohl mehrere Nutzer getan und der Account der Journalistin wurde gesperrt. Auf Twitter ging die Diskussion dann weiter…

Heute, also am Tag 6 auf Clubhouse, komme ich mit der App schon ganz gut klar.

FOMO (fear of missing out), also das Gefühl etwas zu verpassen, ist weg. Dabei habe ich die Notifications NICHT abgestellt. Ich werde also ständig benachrichtigt. Und da ich über 200 Leuten folge, passiert das relativ oft.

Aber es ist ok, ich kann damit gut leben.

Und im Übrigen ist das auch mein Tipp an alle: Nutzt die App so, dass ihr euch gut fühlt.

Ihr fühlt euch gut dabei 24/7 online zu sein? Macht das.

Ihr habt ein Limit von einer halben Stunde am Tag? Macht das.

Was ich wirklich extrem hasse, und das ist hier wirklich das passende Wort, sind die Bevormundungen. Die einen schreien wie toll die App ist und dass doch wirklich jeder dort vertreten sein sollte.

Die anderen schreien wie schrecklich sie ist.

Ich bin mehr für eigene Meinung. Ich hätte gerne wieder mehr Blogs, mehr persönliche Erfahrungsberichte, mehr Insights und weniger Bevormundung.

Im Übrigen halte ich das auch bei meinen Kunden so. Wenn ich z. B. gefragt werde wie oft man posten soll, dann sage ich was zu dem Account des Kunden passen würde unter der Voraussetzung er hätte kein eigenes Business und kein Privatleben. Und das meine ich so!

Es gibt „Regeln“, die einfach zu 100% funktionieren. Man kann in den sozialen Netzwerken schon gar nicht keinen Erfolg haben wenn man diese befolgt. Das geht schlicht und ergreifend nicht, weil die Algorithmen entsprechend programmiert wurden. Und wenn man ihnen das gibt, was sie haben wollen, dann sind sie glücklich und „belohnen“ den Content Creator dafür (hier steht Content Creator für jedermann; jeder, der irgendeinen Content erstellt).

Und so ist mein Rat immer derselbe: Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es, dass Sie dies und das machen. Ich weiß jedoch, dass Sie noch ein Privatleben und ein Business haben. Daher lassen Sie uns gemeinsam schauen was für Sie machbar ist UND mit welcher Menge an Content Sie sich gut fühlen.

Mein Standardsatz, da er einfach immer passt.

Und so ist es auch mit Clubhouse.

Manche Nutzer sind permanent online. Und sie sind dabei nicht „nur“ Konsumenten, also in diesem Fall Zuhörer, sondern moderieren einen Talk nach dem anderen. Und wenn es sich für diese Menschen gut anfühlt, dann sollen sie das so machen.

Aber ich kann nicht verschweigen, dass mich bei diesem Anblick ein Gedanke nicht verlässt: Wann schaffen diese Menschen irgendwas? Wann arbeiten sie und erbringen einen Mehrwert (für ihre Familie, für ihre Kunden, die Gesellschaft – you name it).

Meine Theorie, und das ist jetzt wirklich meine persönliche Meinung auf meinem eigenen Blog: Es ist nicht alles Gold das glänzt.

Gerade Menschen, die sowieso schon an sich zweifeln, sollten sich das mal zu Herzen nehmen. Nicht alle „Experten“ scheinen so ausgelastet zu sein wie sie tun.

Gleichzeitig sollte man aber auch nicht vergessen, dass wir alle nur seit ein paar Tagen auf Clubhouse sind. In Deutschland kaum jemand länger als eine Woche. Die meisten seit dem 16.01. Ich habe bisher kaum jemanden gesehen, der sich vorher angemeldet hat. Im Grund kann natürlich jeder mal 1-2 (oder mehr) Wochen frei haben. Im Moment sehe ich das also noch gelassen. Kaum jemand wird in den paar Tagen aus dem Business geflogen sein, weil er seine Aufträge für ein paar Tage vernachlässigt hat.

Aber ich beobachte das auf jeden Fall weiter. Für mich ist es keineswegs ein Indikator für „Expertentum“ wenn jemand permanent einen Talk nach dem anderen hostet. Ganz im Gegenteil. Aber dazu gibt es Clubhouse in Deutschland noch nicht lang genug.

Fazit: Alles in allem ist das für mich eine interessante App. In den paar Tagen habe ich wirklich viel gelernt, viel Neues erfahren, habe mir zahlreiche Diskussionen angehört und mitdiskutiert. Sollte meine Zielgruppe irgendwann auch dazustoßen, werde ich Clubhouse auch für BUREAUlingo nutzen.

***

Meine Tipps zur professionellen Nutzung, die Vorlage für die Gestaltung des Bildes (dieser farbige Rand) und weiterführende Links findet ihr auf meiner Webseite und zwar hier.

Show CommentsClose Comments

Leave a comment