#coffeebreak – Optikermeisterin Eva über ihren Start in die Selbständigkeit und die Zusammenarbeit mit Bloggern

In der Rubrik #coffeebreak spricht Eva über ihr Business, die Herausforderungen und warum der Start in ihre Selbstständigkeit alles andere als einfach war.

Schön, dass Du Zeit für ein Interview mit mir gefunden hast. Bitte stelle Dich doch mal kurz vor. 

Mein Name ist Eva, ich bin 28 Jahre alt und ich bin seit 4 Jahren die Geschäftsführerin der Optikmeisterei.

Ich bin Optikerin mit Leib und Seele, ich liebe meinen Beruf und freue mich jeden Tag auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen, die mich als Unternehmerin herausfordern.

Wann hast Du beschlossen Dich selbständig zu machen?

Ich war damals 21 Jahre als ich meinen Meister fertig hatte, ab da wuchs der Wunsch nach der Selbständigkeit. Mit 23 hab ich dann den Schritt gewagt.

Warum ausgerechnet in Erlangen?

Erlangen ist meine Heimatstadt, ich bin hier zu Schule gegangen, meine Ausbildung habe ich in Erlangen gemacht und meine Großeltern leben dort.

Ich liebe Erlangen, eine Studentenstadt mit hoher Lebensqualität, die offen ist für Neues, mit vielen unterschiedlichen Menschen aus den verschiedensten Regionen der Welt.

Auch die Kaufkraft ist in Erlangen sehr hoch, wir liegen Bundesweit auf Platz 8. Das ist für ein Unternehmen wie die Optikmeisterei, die ein hochwertiges Sortiment anbietet, ein sehr wichtiger Faktor.

Du nutzt die sozialen Netzwerke regelmäßig, um neue Produkte aus Deinem Shop zu zeigen. Wie wichtig ist Social Media für Dich und Dein Business? 

Social Media ist für mich ein sehr wichtiger Kanal für mein tägliches Marketing und für die Kommunikation mit meinen Kunden. Die Kunden wollen nicht nur Produkte kaufen, sie wollen auch ein Teil der Optikmeisterei sein. Sie interessieren sich auch für Dinge rund um unser Team.

Durch Social Mediakanäle habe ich die Möglichkeit, mehr von uns zu zeigen, auch auserhalb eines Verkaufgespräches.

Wir können beim Kunden den Wunsch nach einer Zweitbrille wecken, da er als erster die neuen Kollektionen sieht und dafür nicht erst in den Laden gehen muss.

Neuheiten verbreiten sich dadurch viel schneller und auf ein sympathischere Art und Weise 😉

Wie hast Du den Gründungsprozess erlebt? Hattest Du Unterstützung? 

Der Gründungsprozess war generell nicht einfach. Ich habe schon große Probleme gehabt, ein geeigentes Ladenlokal zu finden. Wenn ich eins gefunden hatte, was mir gefällt und wo ich auch das richtige Konzept hätte umsetzen können, waren da viele andere große Bewerber von Ladenketten mit großen Unternehmen im Hintergrund. Die werden von den Vermietern mehr gemocht, als eine 23jährige Unternehmensgründerin. So habe ich oft den Zuschlag nicht bekommen.

Auch einen Businessplan zu schreiben, war nicht einfach. Hier habe ich mir Unterstützung von der HWK Mittelfranken geholt. Leider ist diese nicht sehr hilfreich gewesen.

Ich habe das Glück, dass ich hier auf die Untersützung meiner Eltern setzen konnte und deren langjähriger Erfahrung als Unternehmer. Das hat mir geholfen, am Anfang das eigene Konzept zu durchdenken und vor allem durchzurechnen.

Die ersten Businesspläne sind von der Bank abgelehnt worden. Da muss man durchhalten.

Mit jedem neuen Businessplan habe ich dazu gelernt, konnte besser einschätzen, was für die Bank wichtig ist.

So habe ich zum Schluss dann doch meinen Gründerkredit bekommen und einen wundervollen Laden in einer unter Denkmalschutz stehenden, ehemaligen Apotheke in der Innenstadt von Erlangen anmieten können.

Wo hättest Du Dir mehr Hilfe oder einen Ratschlag gewünscht?

Ich hätte mir bessere Unterstüzung von der HWK gewünscht. Bei der Ausbildung zum Optikmeister habe ich vermisst, dass nicht vermittelt wird, wie man ein Unternehmen gründen kann.

Und ich finde, dass Deutschland noch viel mehr jünge Gründerinnen und Gründer braucht!

Du hast schon mit einigen Bloggern zusammenarbeitet. Was hast Du daraus mitgenommen und wie könnte Deiner Meinung nach die perfekte Zusammenarbeit mit Bloggern aussehen? Hast Du Tipps für andere Gewerbetreibende?

Es ist generell nicht einfach, alleine den richtigen Blogger für sich zu finden. Hier ist es empfehlenswert, sich professionelle Hilfe zu holen.

Wichtig ist von Anfang an zu vereinbaren, wie man sich eine Zusammenarbeit vorstellt. Wann soll das Bild gepostet werden wie ist die Verlinkung etc.

Hier musste ich auch schon schlechte Erfahrungen machen, da ich dies am Anfang nicht so deutlich vereinbart hatte. So passierte es, dass Bilder sehr spät gepostet wurden oder Markenverlinkungen auf dem Produkt sind, die mit meinem Unternehmen nichts zu tun haben.

Du hast kurz nach Deiner Gründung einen richtigen Tiefschlag erlebt. Magst Du darüber erzählen? Wie bist Du damit umgegangen und was hast Du daraus gelernt? 

Ich hatte acht Monate nach der Eröffnung der Optikmeisterei einen Einbruch, nach Vermutungen der Kripo durch eine osteuropäische Bande, die sich auf Optiker mit hochwertigem Sortiment spezialisiert hat. Mein gesamter Warenbestand im Einkaufswert von über 100.000 Euro wurde in dieser Nacht gestohlen. Ich hatte damals auch eine Linie mit preiswerten Brillen im Sortiment; die haben die Diebe liegen lassen – das waren Profis.

Dieser Schaden ist von der Versicherung, obwohl ich eine Einbruchdiebstahl-Versicherung abgeschlossen hatte, nicht getragen worden. Somit sitze ich bis heute auf den Kosten und muss diese jeden Monat Stück für Stück zurück bezahlen. Das ist hart.

Ich habe daraus gelernt, sich immer von mehreren Seiten beraten zu lassen wenn es um Sicherheit geht und dass immer Dinge passieren können, auf die wir keinen Einfluss haben. Das ist das Risiko, welches wir als Unternehmer tragen müssen.

Welche Tipps würdest Du angehenden Gründern mit auf den Weg geben? 

Habt Geduld und Durchhaltevermögen und hört nicht so sehr auf alle Kritiker. Durchdenkt euer Business gut und lasst auch noch einmal jemand mit Sachverstand eine kritischen Blick darauf werfen.

Schreibt unbedingt einen Businessplan, auch wenn ihr diesen vielleicht nicht für eine Bank braucht. Es zwingt den Gründer, seinen Markt zu analysieren und das Vorhaben zu kalkulieren. Wenn ein Business schon auf dem Papier keinen Gewinn erzielt, lasst die Finger davon oder verbesssert das Konzept.

Vielen Dank für das Interview, liebe Eva!

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