Eine Sache, die ich vor dem Schritt in meine Selbstständigkeit gern gewusst hätte

Von außen sieht der Schritt in die Selbständigkeit immer so leicht aus: kündigen, sein eigener Chef sein und einfach tun und lassen was man möchte.

In Wirklichkeit ist so ziemlich alles anders.

Vor der Kündigung schaut man wochenlang in fragende Gesichter und beantwortet Fragen wie am Fließband. Parallel erntet man neidische Blicke (oder manchmal auch Worte) und Sätze wie „Ich würde ja auch gerne, aber…“ gehören irgendwann zum Alltag.

Dann kommt die Kündigung und man schwebt wie auf Wolken, ist aber gleichzeitig auch aufgeregt. Dieser Zustand hält dann, je nachdem, ein paar Tage bis Wochen an. Bis, ja bis die harte Realität auf Wunschdenken trifft.

Wenn ich nochmal zurückkönnte, würde ich im Grunde ALLES anders machen. Vor allem würde ich aber eine einzige Sache anders machen. Allerdings ist genau diese eine Sache absolut erfolgsentscheidend und das habe ich in den letzten 3,5 Jahren immer stärker gemerkt.

Das nötige Wissen

Das theoretische, in meinem Fall auch praktische, Wissen, das ich für die Selbstständigkeit gebraucht habe, brachte ich von Anfang an mit. Ich kenne mittlerweile viele, die erstmal einen Kurs belegen, eine entsprechende Ausbildung machen oder sich sonst wie auf ihre Selbstständigkeit vorbereiten (müssen). Das alles fiel weg, denn gerade rückblickend habe ich erkannt, dass ich hier nicht die drölf Tausende vielversprechende Kurse hätte buchen müssen. Aber ich bereue das auch nicht, denn man nimmt ja schließlich immer etwas mit. Also in der Hinsicht bin ich mit mir im Reinen.

Das Startkapital

Für den Start in die Selbstständigkeit als Social Media Allrounder braucht man nicht viel Kapital. Aber natürlich lässt ein gutes finanzielles Polster einen ruhiger schlafen. Man kann nie zu viel auf der hohen Kante haben. Aber das Geld war rückblickend auch nicht der Punkt.

Das passende Umfeld

Was mir wirklich zu schaffen gemacht hat und womit ich bis heute kämpfe, ist das passende Umfeld. Ich möchte jetzt keinesfalls jeden in meinem engeren Umfeld vor den Kopf stoßen. Gerade weil ich meine Familie und Freunde habe, kann ich mich sicher fühlen.

Allerdings habe ich es versäumt oder einfach nicht geschafft – whatever – mir das passende berufliche Umfeld zu schaffen.

Das klingt jetzt von jemandem, die gerne Netzwerkveranstaltungen organisiert (BloggerBUREAU, Gründerfrühstück) und deren erster Kunde XING Events war (no kidding!), mit Sicherheit etwas merkwürdig. Ausgerechnet ich habe nicht das passende Umfeld vorzuweisen. Wow!

Aber ja, genauso fühle ich es.

Und dabei kenne ich unglaublich viele andere Selbstständige, Startup-Gründer, Blogger, Influencer und generell Menschen aus meinem Bereich. Und ich tausche mich auch viel aus. Und ich bin wirklich super dankbar für alle meine Kontakte!

Aber irgendwas fehlt.

Neulich hat sich jemand, den ich vor über 10 Jahren getroffen habe, sich mit einer Bitte an mich gewandt und ich konnte ihm tatsächlich helfen. Dazu musste ich eine andere Person, die ich ebenfalls vor mehreren Jahren zuletzt gesprochen habe, kontaktieren. Ich hatte innerhalb von wenigen Minuten eine Antwort und die Frage „Wie geht´s Dir eigentlich? Was gibt es Neues?“

Ich wollte sofort antworten, aber es fiel mir schwer. Der Flashback katapultierte mich sofort in die Zeit von damals und ich fragte mich, ob ich fragte mich in diesem Moment selbst wie ich mich seitdem weiterentwickelt hatte. Zuerst fielen mir nur private Dinge ein: ich habe geheiratet (aber das wusste die Person bereits) und eine super-süße Tochter bekommen (das könnte er aus den sozialen Medien ebenfalls mitbekommen haben).

Aber was dann? Wie habe ich mich seither entwickelt?

Minuten später stand ich immer noch mit dem Handy in der Hand da – ohne eine Nachricht abgeschickt zu haben.

Und da war er wieder, der Wunsch nach dem „richtigen“ Umfeld. Einem Umfeld, das mich trägt, wo ich mich unter Gleichgesinnten austauschen kann. Am liebsten wäre ich sofort in den Flieger gestiegen, wäre zu der Person hingefahren und hätte mich 5 Stunden lang mit ihm über Gott und die Welt unterhalten. Einfach so. Weil ich weiß, dass wir auf einer Wellenlänge sind.

Corona hat die Sache auch nicht leichter gemacht.

Auf einmal fehlte der Austausch (Zoom und WhatsApp ist halt nur so semi-optimal).

Und abgesehen davon habe ich in dieser eher „ruhigen“ Zeit gemerkt, wie sehr ich mich von mach einem Traum bzw. Vorhaben entfernt und mich mit viel weniger zufrieden gegeben habe.

2021 war bisher zwar ein schönes, aber auch sehr aufregendes Jahr. Ich hatte das dringende Bedürfnis JETZT endlich alles umzusetzen, was ich lange geplant oder mir erträumt hatte. Was genau ich umgesetzt habe, darüber habe ich hier geschrieben.

Und das letzte Puzzle-Stück war nun die Erkenntnis:

Ich kann alles schaffen, was ich will. Dazu benötige ich aber das richtige Umfeld.

Es sind nicht nur die Menschen, sondern auch die richtige Einstellung, die Ruhe, die Action, der Rückhalt der Familie aber eben auch das richtige Umfeld. Menschen, die ähnlich ticken und die ähnliche Ziele im Leben haben.

Ich habe in den letzten 3,5 Jahren gemerkt, dass sehr viele Menschen mit dem Thema Selbstständigkeit ganz unterschiedliche Dinge verbinden. Für viele ist es einfach nur die Freiheit das zu tun, was sie möchten. Manche möchten frei sein. Andere so viel verdienen, dass es zum Leben reicht. Wieder andere eine Million und mehr.

Manche haben eine Einkommensquelle: die eigene Arbeitskraft. Andere haben passives Einkommen, investieren und suchen stets nach weiteren Möglichkeiten. Anderen wiederum ist genau diese Denke fremd und gar befremdlich.

Nach 3,5 Jahren kann ich sagen, dass ich erst jetzt verstanden habe wo ich hinmöchte und einen konkreten Plan entwickelt habe. Und selbst der ist noch im Anfangsstadium.

Dieses Jahr hat mich so vieles gelehrt. Ich habe mir endlich Gedanken um mich, mein Business und meine Träume gemacht. Ja, erst jetzt.

Zuvor war alles andere bzw. jeder andere wichtiger. Erst galt es das Ganze zum Laufen zu bringen, Kunden zu gewinnen, Kunden zufriedenzustellen und das war im Grunde stets mein Lebensmittelpunkt. Dann die Schwangerschaft, eine zweite Wohnung in Baden-Württemberg, die Geburt, der Lockdown und anschließend einfach nur 24/7 mit Kind und jetzt zusätzlich den Kunden.

Schon Anfang des Jahres hatte ich mir überlegt das Kundengeschäft aufzugeben.

Es musste aber noch ein halbes Jahr vergehen, bis ich die endgültige Entscheidung getroffen hatte.

Und zwischendurch immer wieder die Frage: Mit wem kann ich mich austauschen? Wer versteht mich? Mit dem kann ich den nächsten Schritt machen?

Super dankbar bin ich für meine beiden Mädels, die mich als Angestellte bzw. Praktikantin unterstützt haben. Sie haben eher das Potential in mir gesehen als ich selbst. Und genau solche Menschen in meinem Leben sind Gold wert.

Mit anderen wiederum ist der Kontakt über die letzten Jahre eingeschlafen.

2021 dämmerte mir außerdem wievielen Menschen ich stets mit Rat und Tat geholfen habe, die sich dann einfach in Luft aufgelöst und sich selbst in den Himmel gelobt haben. Natürlich haben sie alle Infos selbst herausbekommen und alles selbst geschafft. Nein, sie haben mich nicht mit Fragen gelöchert und haben mich nicht in stundenlangen Kaffee-Dates ausgefragt. Natürlich nicht. #ironyoff

Ich bin niemand, die enttäuscht über andere ist. Ganz im Gegenteil. Ich kehre immer vor meiner eigenen Haustür. Ich bin in solchen Momenten eher enttäuscht von mir selbst, dass ich eben nicht erkannt habe wie diese Menschen wirklich ticken.

Aber hey, ich gönne jedem den Erfolg auf Grundlage meiner Hilfe. Mein Wissen wird dadurch nämlich nicht weniger.

Aber bringt mir das etwas? Leider nein.

Und da wären wir wieder beim Punkt Umfeld. Das richtige Umfeld zu finden ist gar nicht so einfach. Das habe ich spätestens vor ein paar Tagen, als ich eben die besagte WhatsApp-Nachricht erhalten habe, gemerkt.

Aber genau DAS war der endgültige Weckruf. Ich habe erkannt, dass ich jetzt etwas verändern muss. Und ich weiß auch schon was. Aufgrund von Corona ist es gerade nicht so einfach, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich alles ganz bald wieder zum Guten wendet. Es wird mit Sicherheit nicht so werden wie vorher. Es wird anders, aber auch gut.

Und noch während ich das hier schreibe, erreicht mich die nächste Nachricht: Kannst Du nicht eben mal, magst Du mir nicht helfen. – Ja, ich helfe gerne. Aber nein, ich werde nicht „mal eben“ springen.

Jetzt bin ich dran. Endlich!

Es wird nicht lange dauern, bis man mich als Egoistin abstempelt. Aber wisst ihr was? Das tun immer nur die Menschen, die selbst verletzt sind und in den wenigsten Fällen ist das Gegenüber schuld. Diese Menschen haben mit sich selbst zu tun. Mein Rat an euch: Lasst sie sein.

Im Übrigen ist es auch mein Rat an mich selbst.

Und ansonsten?

Wenn ich jemandem wirklich einen Tipp geben könnte, dann wäre es dieser hier: Sucht euch das passende Umfeld. Im Aquarium werden Haie nur halb so groß wie in der freien Wildbahn. Sie haben einfach nicht das passende Umfeld. Ihr seid nicht eingesperrt, ihr könnt selbst entscheiden. Schaut zu euren Vorbildern auf und lernt von ihnen.

Ich tue das. Und bin froh um diese Erkenntnis. Auch wenn sie 3,5 Jahre später kam. Man muss auch sich selbst verzeihen können 😉

Habt ihr das für euch richtige Umfeld gefunden? Wie seid ihr vorgegangen? Lasst es mich gerne wissen.

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