Studieren neben dem Beruf - So meisterst Du ein Fernstudium

Ein Studium an sich ist ja schon nicht ohne. Aber neben dem Beruf zu studieren ist nochmal eine ganz andere Angelegenheit. Mein Verlobter hat sein Maschinenbau Studium neben seinem Job als Konstrukteur durchgezogen und Ende des Monats gibt er seine Abschlussarbeit ab. Ich bin wirklich sehr stolz auf ihn, weil ich weiß, wie hart ein Studium neben dem Beruf ist.

Nachdem ich mein Präsenzstudium (so heißt das eigentliche Studieren bei den Fernstudenten) nach einigen Semestern geschmissen habe, war mir schon damals klar, dass ich das irgendwann zu Ende bringen würde. Es dauerte nicht mehr lang bis ich mich wieder in Vorlesungen wiederfand und für Klausuren büffelte.

In der Zwischenzeit habe ich aber noch einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt eingelegt, eine Ausbildung absoliert (dank meiner Vorkenntnisse konnte ich auf ein Jahr verkürzen) und meinen ersten Job im Vertrieb eines Elektronikherstellers angetreten. Sales & Marketing waren schon immer meine Themen gewesen. Ich habe schon von klein auf gern irgendwas vertickt oder Wettbewerbe für meine Freunde organisiert. Und schon im ersten Job wusste ich, dass es genau das ist, was mich begeistert. Neue Märkte erschließen, mit Kunden kommunizieren, Produkte bewerben oder Messeteilnahmen organisieren – ich hatte wirklich Glück, dass ich von Anfang an wusste, was mir Spaß macht.

Ein Fernstudium ist nicht DIE Lösung. Aber wer sich dafür entschieden hat, wird hier viele Infos, Tipps und meine persönlichen Erfahrungen finden.

Vier Monate nachdem ich meine erste Stelle angetreten habe, fing ich mit dem Fernstudium an. Die paar Monate habe ich mir Zeit genommen um das für mich richtige Fernstudium zu finden. Das ist mittlerweile ein paar Jahre her und selbst damals war es schon nicht einfach das richtige Programm zu finden. Heute würde ich mir wahrscheinlich noch mehr Zeit lassen und alles genau recherchieren, denn es gibt heute Anbieter wie Sand am Meer.

Meine Tipps zur Recherche des richtigen Fernstudiums

1. Studiengang: Nicht jede Uni bietet jeden Studiengang an. Wenn man weiß, was man studieren möchte, fallen automatisch schon einige Anbieter raus. Weiß man es nicht, hilft es, sich erstmal einen Überblick zu verschaffen – also lesen, lesen, lesen.

2. Abschluss: Welchen Abschluss will man machen? Ist der Bachelor oder Master wirklich als solcher anerkannt? Lest das Kleingedruckte und checkt beim jeweiligen Akkreditierungsanbieter, ob der Studiengang wirklich akkreditiert ist.

3. Dauer: Man kann einen BWL-Abschluss nach 6 oder 12 Semestern machen. Aber auch jede andere Studiendauer ist möglich. Auch hier sollte man unbedingt checken wie lange ein Studium regulär dauert.

4. Verlängerung: Apropos regulär. Es kann schnell etwas dazwischenkommen und man schafft das Studium nicht in der dafür vorgesehenen Zeit. Ist eine kostenlose Verlängerung möglich? Auch das solltet ihr vorab checken.

5. Dozenten: Wer sind die Dozenten? Was haben die so gemacht und was machen sie sonst so? Heute lässt sich fast jeder googeln. Also ran an den Laptop und recherchieren.

6. Probezeit: Ist eine kostenlose Probezeit möglich? Wenn man sich für Jahre an einen Anbieter bindet, sollte man sich absolut sicher sein. Bei den meisten Anbietern kann man in den ersten Wochen bzw. Monaten kostenlos vom Vertrag zurücktreten.

7. Präsenzphasen: Möchte ich viele Präsenzphasen und einen hohen Anteil an Anwesenheitsphasen oder komplett allein studieren und mich lediglich online austauschen. Heute ist wirklich alles möglich! Aber auch hier gilt: Man sollte sich diesbezüglich vorher informieren.

Einmal angemeldet, ist man natürlich wahnsinnig aufgeregt und freut sich auf das, was da kommt. Und erstmal kommen ganz viele Infos, Unterlagen und Bücher (oder Bücherlisten). Man fühlt sich schnell von der Menge erschlagen und ist schon nach wenigen Tagen total desillusioniert.

Aber keine Sorge – so geht es wirklich allen! Mein erstes Paket war einfach riesig und unglaublich schwer. Ich bekam zig E-Mails und Nachrichten von Kommilitonen. Erstmal muss man sich ordnen und in Ruhe durchatmen.

Ein Fernstudium ist ein Marathon, kein Sprint.

Und das sollte man sich immer vor Augen halten. Es wird immer auf und ab gehen. Niemals ist man zu 100% motiviert oder komplett down. Es ist ein auf und ab und das muss man aushalten können.

Ich habe Matthias interviewt, womit er ein Fernstudium verbindet und hier seine Antworten.

– gute Nerven
– Durchhaltevermögen
– Geduld
– Ehrgeiz
– Einsatz
– Flexibilität
– geregeltes Einkommen
– Berufserfahrung
– Antrieb

Das sind ganz schön viele Schlagwörter. Deshalb ordne ich sie mal für euch.

Gründe für ein Fernstudium

1. Geregeltes Einkommen: Man studiert UND ist trotzdem nicht dauernd pleite. Natürlich kostet so ein Fernstudium an sich auch gutes Geld (um die 10k EUR). Aber einen guten Teil davon bekommt man über die Steuer wieder zurück, deshalb relativiert sich das Ganze schnell.

2. Studenten-Tarife: Mit dem Studentenausweis kann man sogar noch hier und da sparen. Selbst im Ausland (sprich auf Reisen) lässt es sich sparen. Hierzu benötigt man einen internationalen Studentenausweis, den man separat bestellen kann.

3. Berufliches Weiterkommen:
Für die meisten der Grund Nr. 1 um ein Fernstudium zu beginnen. In vielen Berufen benötigt man nach wie vor einen akademischen Abschluss (ob das sinnvoll ist, sei mal dahingestellt). So ein Fernstudium kann oft ein Karriere-Boost sein.

4. Weiterbildung: Meinen Master in Wirtschaftspsychologie habe ich für mich ganz allein gemacht. Ich hatte nicht das Gefühl einen Master machen zu müssen, aber ich wollte schon immer Psychologie studieren. Als sich die Gelegenheit geboten hat mein BWL-Wissen mit Psychologie zu kombinieren, habe ich die Gelegenheit sofort ergriffen. Das WiPsy-Studium ist ein Studium fürs Leben. Ich habe es noch keinen Tag bereut so viel Geld und Zeit in dieses Studium gesteckt zu haben. Es muss also nicht immer berufliches Weiterkommen sein (obwohl das fast schon automatisch geht), sondern kann auch ein innerer Antrieb sein.

5. Anerkennung: In JEDEM Vorstellungsgespräch waren meine beiden Fernstudiengänge ein Thema. Die meisten Personaler wissen selbst noch viel zu wenig über so ein Fernstudium und wollten da immer mehr wissen: Wie läuft das ab? Wie schafft man es neben dem Beruf zu studieren? Aber jedes Mal ernte ich große Anerkennung für das, was ich geleistet habe.

6. Durchhaltevermögen: Man wird gelassener. Sehr viel gelassener. Wenn andere vor zu viel Stress jammern, kann ich mich heute nur darüber wundern. Hat man jahrelang nach seinem regulären Job noch Bücher gewälzt und Studienarbeiten angefertigt, kennt man eben keinen Streß im eigentlichen Sinne mehr. Man ist sehr viel leistungsfähiger und ist alleine schon deshalb besser im Job. Das klingt vielleicht für viele unverständlich oder gar überheblich, aber alle, die ein Fernstudium absolviert haben, werden es nachvollziehen können.

7. Prioritäten:
Man lernt schnell Prioritäten richtig zu setzen. Nein, man kann am Wochenende nicht ausschlafen. Und es ist auch nicht jede Serie gleich spannend, wenn man weiß, dass noch dies und das ansteht und eine Hausarbeit fertig werden muss. Aber auch das bringt Einen später weiter.

Wahrscheinlich würden mir noch zig weitere Gründe einfallen, aber zusammengefasst läuft es immer wieder auf dasselbe hinaus:

Ein Fernstudium hat mich sowohl beruflich als auch persönlich weitergebracht. Ich kann es mir heute leisten meine Studium im eigentlich Job zu reduzieren und nebenher meine Consulting & Event Agentur aufzubauen. Für mich hat es sich 100%-ig gelohnt und ich würde das immer wieder so machen. Vielleicht mit dem Unterschied keinen „Umweg“ über ein Präsenzstudium zu machen, denn das hat mir wirklich sehr wenig gebracht, bis auf die Erkenntnis, dass ich mich nicht stundenlang auf Genuschel konzentrieren kann. Und dann auch noch von Menschen, die in ihrem Leben kaum gearbeitet haben sondern bisher nur unterrichtet haben wie die Wirtschaft in ihren Augen funktioniert. Ah ja, klar!

Aber das ist meine persönliche Erfahrung und es muss natürlich nicht bei jedem so gelaufen sein. Mit Sicherheit gibt es da draußen auch Unis, an denen nur erfahrene Dozenten lehren. Das schließe ich gar nicht aus und will ein reguläres Studium nicht verteufeln. Fakt ist jedoch, dass unser Leben sich auch stark verändert und jahrelang zu studieren (am besten noch mit anschließenden Bafög-Schulden) ist heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß, wenn man sich das nötige Wissen überall aneignen kann. Selbst am Strand… Und da sind wir schon beim Thema:

Wie schaffe ich ein solches Lernpensum neben dem Beruf?

Eins vorab: Als ich mein Bachelor-Fernstudium anfing, hatte ich einen regulären Vertrag mit einer 42-h Woche.

42 Stunden im Vertrieb, das weiß jeder, der schon mal im Vertrieb gearbeitet hat, sind keine 42 Stunden. Denn mit all den Abendessen mit Kunden, den durch die Arbeit bedingten Reisen und Messebesuchen arbeitet man am Ende deutlich mehr.

Anfangs hatte ich keinen richtigen Plan wie ich mich organisieren würde. Ich hatte einen starken inneren Antrieb und den absoluten Willen dieses Studium durchzuziehen. Und tatsächlich erinnere ich mich noch gut an den Moment in dem mir klar wurde, dass sich mein Leben ganz schön verändern würde. Ich wollte mir gerade eine neue Folge von GNTM ansehen und bereits nach 15 Minuten kam die erste Werbepause (die bei Pro Sieben bis zu sieben Minuten andauert). Da wusste ich, dass ich das so nicht schaffen würde.

Das klingt vielleicht merkwürdig, aber wenn Du weißt, dass noch zig volle Ordner auf Dich warten und die Bücherliste auch noch ewig lang ist, willst Du einfach keine Zeit vergeuden. Ab diesem Zeitpunkt beschloss ich nicht sinnlos vor dem TV rumzuhängen und auf das Fernsehen zu verzichten. Nach 15 Minuten vor dem TV war ich „geheilt“ und wollte mich von da an nur auf das Wesentliche konzentrieren.

Das hieß jedoch nicht, dass ich ab da keinen Spaß mehr hatte. Ganz im Gegenteil! Ich war in diesem Jahr viel unterwegs. Ich habe meine Freundin in der Schweiz besucht, bin mit meiner Schwester in den Urlaub nach Frankreich gefahren und war insgesamt viel unterwegs. Der Einzige Unterschied bestand darin, dass ich eben in jeder freien Minute meine Lernhefte ausgepackt habe. Während andere in Modemagazinen geblättert haben, habe ich gelernt.

Das Studium habe ich nach fünf statt sechs Semestern abgeschlossen.

Seitdem kann mich eigentlich keine Deadline mehr umhauen. Ich habe fast jeden Tag teilweise bis um 2 Uhr nachts gelernt. Dann hatte ich wieder Phasen, in denen ich wenig bis kaum was gemacht habe. In den 2,5 Jahren habe ich alles erlebt. Ich war super motiviert und dann wieder total demotiviert. Aber ans Aufhören habe ich eigentlich nie gedacht.

Meine Tipps zum Durchhalten

1. Unnötiges Streichen: Worauf kannst Du verzichten? Lass es weg. Die x-te Serie oder sinnloses Surfen im Netz? Es gibt mittlerweile coole Apps, die das Surfen im Internet zeitlich begrenzen. Der Timer des Smartphones tut es aber auch. Einfach vorab eine halbe Stunde einstellen und dann konsequent offline gehen.

2. Sich für Erfolge belohnen: Es gibt zig Arbeiten, die man schreiben muss, Klausuren, Lernhefte… Egal für welchen Meilenstein man sich belohnt, aber Belohnung ist super wichtig. Ob man dann ins Kino oder schön essen geht – ganz egal! Hauptsache es gibt etwas, worauf man sich freuen kann.

3. Das Ziel stets vor Augen:Warum studiert man und tut sich das an? Für eine Beförderung? Einen neuen Job? Man sollte sich stets vor Augen halten warum man sich das Ganze antut. Ich hatte eine bestimmte Vorstellung von meinem Traumjob. Und auch wenn der damalige Job mir ebenfalls Spaß gemacht hat, wollte ich einfach mehr erreichen. Außerdem war klar, dass ich in dem kleinen Unternehmen, in dem ich damals beschäftigt war, nicht groß aufsteigen konnte. Ich wollte einen Job im internationalen Umfeld und das Studium war mein Weg dorthin. Was auch immer der Antrieb ist, man sollte sich diesen stets vor Augen halten.

4. Einen Plan aufstellen: Meiner Meinung nach ist die richtige Planung die halbe Miete. Es heißt nicht, dass man den Plan nicht immer wieder an das Leben oder unvorhersehbare Ereignisse anpasst. Ich habe meinen bestimmt x-mal angepasst, aber am Ende ist das gar nicht so entscheidend.

5. Herausfinden welcher Lerntyp man ist: Es gibt ja Tausend verschiedene Arten zu lernen. Und ob in der Gruppe, mit Tutoren oder ganz allein – entscheidend ist, dass man herausfindet welcher Lerntyp man selbst ist. Ob Freunde oder Kommilitonen sich zum gemeinsamen Lernen verabreden wollen – ganz egal. Wenn man selbst nicht der Typ ist, der gern in der Gruppe lernt, dann sollte man das lassen und die Zeit lieber sinnvoller nutzen.

6. Angebote wahrnehmen: Es gibt auch beim Fernstudium haufenweise Angebote. Ob Tutoren, die spezielle Nachhilfe anbieten oder Prüfungsvorbereitungskurse – es hilft sich vorher einen Überblick zu verschaffen und diese wahrzunehmen.

7. Auszeiten gönnen: Ähnlich wie die cheat days beim Abnehmen oder einem harten Training sollte man auch bei einem Fernstudium die Lernsachen in die Ecke werfen und den Laptop zuklappen. Bevor man ganz genervt aufgibt, kann man vorher gegensteuern und sollte nicht vergessen das Leben zu genießen. Weiterbildung schön und gut, aber es gibt noch Familie, Freunde und Hobbies, die man allesamt nicht zu sehr vernachlässigen wollte.

Am Ende muss jeder selbst entscheiden, wo die Schwerpunkte gelegt werden. Welche Geburtstage besucht man und welche sagt man ab. Welche Reisen kann man machen und findet man vielleicht auch auf Kurztrips ein paar Stunden, in denen man in Ruhe die Lernbücher wälzen kann. Sucht man sich Gleichgesinnte oder lernt man lieber allein…

All diese Fragen kann man aber erst beantworten, wenn man sich einen Überblick verschafft hat. Und solange es eine kostenlose Probefrist gibt, hat man eigentlich nichts zu verlieren. Nach ein paar Wochen hat man es schnell raus, ob man das Studium (wenn auch theoretisch) meistern könnte oder nicht. Mit der richtigen Einstellung, den vielen Tools, die es heutzutage gibt und den zahlreichen Tutorien, ist ein Fernstudium auf jeden Fall zu schaffen.

Falls ihr Fragen habt, stellt mir diese gern in den Kommentaren. Habt ihr auch ein Fernstudium absolviert, dann lasst es mich ebenfalls wissen. Ich freue mich auf euer Feedback!

4 comments

  1. Hey! Ein sehr schöner Eintrag. Generell größten Respekt dafür, Job und Studium zu verbinden! Denn, wie du ja selbst sagst, braucht man dafür wahnsinnig gute Nerven. Und manchmal bin ich ja schon „nur“ mit meinem Studium überforder. Also definitiv sollte man das nicht auf die leichte Schulter nehmen, so nach dem Motto „Ach, die Studenten, die haben eh viel Zeit“! Stimmt einfach nicht.

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

    1. Hey Katta, danke für Deinen Kommentar. Es stimmt, ein Studium an sich ist schon nicht ohne. Aber wen kümmert es schon, was die anderen sagen, oder? 😉
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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