Hochzeitspannen auf unserer Hochzeit

Pinterest ist seit Jahren DIE Quelle für eine perfekte Hochzeit. Aber ich bin mir sicher, dass es selbst auf einer durchgeplanten Hochzeit zu Pannen kommt. Am Ende schauen wir uns alle die schönen Bilder auf Instagram an, aber nur das Brautpaar selbst weiß, was alles schief gelaufen ist.

Auch bei uns war es so Einiges. Das meiste davon haben weder Gäste geschweige denn Außenstehende mitbekommen. Aber es gab da so Einiges… Von fehlender Organistin in der Kirche bis hin zum Polizeieinsatz.

Keine Musik in der Kirche – die vielleicht größte Hochzeitspanne

Wir haben in der kleinen Kirche in Kreuth, unweit der österreichischen Grenze geheiratet. Für das Traugespräch haben wir uns vorab mit dem dort ansässigen Pfarrer getroffen und natürlich alle Details besprochen. Um die Organistin wollte er sich kümmern. Wobei „kümmern“ hier das falsche Wort ist, denn er wollte sie direkt ansprechen. Es war also nicht so, dass er erst eine Organistin organisieren musste. Vielmehr war es DIE Organistin im Ort.

Als wir kurz vor der Hochzeit nochmal telefonierten, um uns zu den Vorbereitungen abszustimmen, kam das Gespräch auf die Organistin. Ja, er hat mit ihr gesprochen und alles ist erledigt.

Hatte er nicht.

Als wir uns dann 15 Minuten vor der Trauung in der Sakristei versammelten, kam mein Neffe dazu und meinte, dass die Organistin noch nicht da wäre. Der Pfarrer meinte, dass sie schon noch kommen würde.

Sie kam nicht.

Die Kirche geht los und mein Neffe und eine befreundete Sängerin spielen das Einzugslied. Gesang begleitet von der Gitarre – alles wie vereinbart.

Als dann der Part der Organistin kommt – Stille. Der Pfarrer wird nervös und meint sie sollen doch einfach irgendwas spielen.

Ja, irgendwas spielen ist halt nicht so einfach, wenn man nur für zwei Lieder engagiert wurde. Nachdem wir aus der Sakristei raus sind, war ich noch der festen Überzeugung die Organistin würde auftauchen. Erst als der Pfarrer meinen verdutzen Neffen gebeten hat „irgendwas“ zu spielen, wusste ich, dass sie nicht da war.

Hilflosigkeit ist ein doofes Gefühl. Richtig, richtig blöd. Man sitzt da mit dem Rücken zu all den Gästen, weiß gar nicht, was hinter einem passiert und der Gottesdienst hat erst begonnen…

Dass der Pfarrer aufgrund seines hohen Alters vergessen hat die Organistin zu beauftragen – geschenkt. Aber dann zu verlangen andere sollen doch bitte für sein Versehen geradestehen, fand ich nicht in Ordnung. Mein Neffe auch nicht. Ohne dass wir uns vorher abgesprochen hätten, hat er dann mein Lieblingshochzeitslied gespielt, das der Pfarrer uns vorher ausdrücklich verboten hat: Das Bergwerk-Lied von Reinhard Fendrich.

Laut Aussage des Pfarrers war es „zu düster“. Wer will schon düster in die Ehe starten? Das Bergwerk wäre „dunkel, nass und lebensfeindlich“. Ähm… Ja… Man muss das nicht verstehen. Nach dem Desaster mit der Organistin ist das Lied doch noch ertönt und wir beide haben nur gelacht.

Kein Auto zur Hochzeit

Eine der nervigsten Pannen war unser Auto, mit dem eigentlich nie etwas ist. Andererseits muss ich zugeben, dass es wirklich selten bewegt wird. In der Stadt laufen wir meistens zu Fuß, für weite Strecken nehme ich die Bahn. Ab und an nehmen wir dann das Auto. Aber eher selten.

Ein Tag vor der Abfahrt zum Tegernsee, wo wir geheiratet haben, fangen wir mit dem Beladen des Autos an und stellen fest: ein Reifen ist platt. Yay! Noch unpassender hätte es kaum kommen können.

Also ab zur nächsten Werkstatt – mit einem vollbepackten Auto. Dort fragte der Mitarbeiter, ob wir zu einer Hochzeit fahren.

„Ja, zu unserer eigenen.“

Danach muss man sagen, dass alles noch viel schneller ging und jeder mitgefiebert hat, dass alles gut klappt. Es war schon vorher die Werkstatt unseres Vertrauens, aber jetzt stehen die bei uns natürlich noch höher im Kurs. Am Ende wurde ein neuer Satz Reifen bestellt und wir hatten zur Hochzeit eine Ausgabe mehr. Unschön, aber hey, so ganz ohne Pannen wäre es doch langweilig, oder?

Spaß.

Nein, es wäre nicht langweilig. Kurz vor der Hochzeit lagen unsere Nerven eh schon blank. Alles, was da noch dazukam, verschlimmerte die Situation nur noch. Und einen Polizeieinsatz haben wir auch nicht gebraucht, aber…

Keine Blumen vom Feld, sonst kommt die Polizei

Fragt mich nicht wieso, aber am Abend vor unserer Abfahrt war ich überzeugt davon, dass wir zu wenig Blumen für die Deko hatten. Überhaupt haben wir nur sehr minimalistisch dekoriert, da die Location an sich schon überwältigend war. Zu viele Blumen hätten alles nur zerstört.

Dennoch wollte ich mit kleinen weißen Blumen (ich weiß bis heute nicht wie sie heißen) viele Akzente setzen und auch in der Kirche einen Hauch Dekoration anbringen.

Wie gesagt, am Abend vor der Abfahrt kamen dann doch Zweifel auf. Also ab aufs Feld und ein paar Blumen vom Feldrand pflücken. Also keine, für die man bezahlt, sondern mehr oder weniger wild wucherndes Unkraut.

Die Aktion blieb genau 10 Minuten unbemerkt bis prompt die Polizei auftauchte. Aufmerksame Anwohner hätten sie informiert und hatten befürchtet, dass wir etwas von den Feldern klauen würden. Als sie sahen, dass es „nur“ die Blumen am Wegrand waren, mussten sie selbst lachen.

Aber das war auch so eine Begegnung kurz vor der Hochzeit und eine Schnapsidee noch dazu. Am Ende konnten wir alle die gekauften Blumen nicht mal für die Dekoration verwenden (weil wir zu viel hatten, klar), geschweige denn die wild gepflückten.

Keine Einladungskarten

Auf Papeterie wird zunehmend großer Wert gelegt. Nicht bei mir. Ich kann diesem Trend nur wenig abgewinnen. Am Ende ist es nur Papier – sorry!

Natürlich mussten Einladungskarten sein und so haben wir diese bestellt. Alles einwenig auf den letzten Drücker und kein halbes Jahr vorher (die ganze Hochzeitsvorbereitung hat nur ein halbes Jahr gedauert). Als die Einladungskarten ankamen, wurde der Schreck gleich mitgeliefert: Auf der ersten Seite der Klappkarte fehlte der Name des Bräutigams. Es hieß „Anna &“ – also einwenig strange, so, als hätte ich mich noch nicht entschieden wen ich heiraten wollte.

Das Ganze nochmal reklamieren, nochmal bestellen… Alles Streß, der nicht sein musste. Am Ende hat kaum jemand diese Karten überhaupt zu Gesicht bekommen. Wir haben die Einladungen entweder persönlich ausgesprochen oder Menschen angerufen. Hat auch geklappt und niemand hat eine Einladungskarte vermisst. Und mal ehrlich: Kommt es wirklich auf das Papier an? Ich denke nicht.

Am Ende entscheidet die Hochzeit selbst, die Stimmung, die Musik, das Essen (gaaaaanz wichtig!) und die Freude mit dem Brautpaar. Das ist meine Einstellung zu Hochzeiten. Ob die Einladungen nun auf feinstem Seidenpapier gedruckt werden oder gar Tippfehler enthalten (ist uns zum Glück nicht passiert) – völlig egal.

Kein Geburtstagskuchen bei der Hochzeit

Eine Sache, die mich als Event-Managerin besonders geärgert hat, war das Thema Geburtstagskuchen. Wir haben es doch tatsächlich geschafft zwei Geburtstagskinder zu unserer Hochzeit einzuladen. Konkret haben wir in zwei Geburtstage reingefeiert.

Da wir das – zum Glück – schon vorher wussten, haben wir uns entsprechend um kleine Gesten gekümmert. Als ich das Sweet Buffet bestellt haben (dazu gib es hier einen ausführlichen Artikel mit vielen Bildern), habe ich zwei Törtchen für die beiden Geburtstagskinder bestellt. Mit dem Personal war ausgemacht, dass diese um Mitternacht hereingetragen werden – als Überraschung. Eine der beiden war schwanger, also war die Order hier mit Orangensaft anzustoßen.

Es ist also 10 vor 12 und ich erinnere die Verantwortliche nochmal daran, dass gleich zwei Menschen gratuliert wird und ob sie die beiden Törtchen parat hat. Fragezeichen in den Augen. Alles klar, denke ich, wir haben noch Zeit. Also bitte die Törtchen suchen und alles herrichten.

Wenige Minuten vor Mitternacht wird mir eröffnet, dass die beiden Törtchen nicht (mehr) da sind und man für Ersatz gesorgt hat. Mit Mini-Guglhupf und zwei Gläsern Sekt.

„Nein, Eine ist schwanger, bitte statt Sekt, wie besprochen, einen Orangensaft.“

Die beiden haben sich riesig gefreut – keine Frage. Niemand hat irgendetwas bemerkt, aber ich hätte mir natürlich gewünscht, dass alles einfach läuft. Alles, was wir vorher besprochen haben, wurde auch noch schriftlich festgehalten. Umso nerviger ist es, wenn dann doch nicht alles klappt.

Ich bin weiß Gott keine Perfektionistin. Ich habe einfach nur zu viele Events und Messen organisiert. Das Thema Hochzeitsplanung war für mich jedoch eine gänzlich andere Herausforderung. Allerdings immer nur dann, wenn man sich auf andere verlassen musste.

So Einiges von dem, was ich aus der Hand gegeben habe, ist schief gelaufen. Nicht so richtig schief, dass nichts mehr zu retten war. Aber dennoch einfach unnötig. Am Ende schien alles perfekt zu sein. Anschließend haben mich viele gefragt, wie ich das alles überhaupt organisiert habe. An sich fand ich die Organisation nicht stressig. Etwas stressiger wurde es in den Tagen kurz vor der Hochzeit. Alles Weitere war eigentlich ganz easy.

Heute würde ich es vermutlich auch nicht anders machen. Und auf manche Dinge hat man einfach keinen Einfluss – also warum sich darüber ärgern? Wenn man etwas aus der Hand gibt, wird es zu 99% nicht so, wie man es erwartet. Niemand kann Gedanken lesen und egal wie oft man etwas sagt oder aufschreibt – es wird von anderen Menschen mit ihrer Erfahrung, ihrem Wissen und ihren Vorstellungen IMMER etwas anders gemacht werden. Und das ist auch gut so, denn sonst hätte ich jetzt nichts, worüber ich schreiben könnte. Wen interessieren schon langweilige Hochzeitsberichte? Da lache ich doch, schon beim Schreiben, gerne nochmal über all die Hochzeitspannen, die uns passiert sind.

Alle Fotos von Simona Kehl <3

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