Ich bin keine Feministin

Vor ein paar Jahren brachte Dior ein T-Shirt heraus auf dem Stand:

„We should all be feminists.“

Das T-Shirt gibt es nach wie vor zu kaufen. Für 620 EUR.

Gleichzeitig verdienen so viele Frauen hierzulande (hier in Deutschland, nicht irgendwo in einem armen afrikanischen Land), nicht mal so viel im Monat. So viele Frauen arbeiten nach wie vor halbtags, weil sie keine Kinderbetreuung haben. Andere wiederum arbeiten nur auf 450 EUR Basis und haben später noch nicht mal eine (ordentliche) Rente.

Darüber sollten wir reden.

Ich habe mir das T-Shirt nicht gekauft und unterstütze diese „Bewegung“ nicht. Überhaupt ist es mir nach wie vor unerklärlich, dass wir im Jahr 2021 für ganz banale Dinge wie gleiche Bezahlung kämpfen. Ernsthaft? Immer noch? Wow!

Manchmal möchte ich in Gedanken die ein oder andere Frau an den Schultern packen und einfach nur durchschütteln. Wieviele Beispiele braucht man noch, um als Frau endlich zu begreifen, dass man im Leben einfach alles haben kann?

Ich war lange Zeit sehr aktiv in der Facebook-Gruppe von Madame Moneypenny. Wer mich kennt weiss auch, dass mit Natascha, ihrem Blog und den Büchern sich mein Leben grundlegend verändert hat. Es war die Zeit als ich mich gerade selbständig gemacht habe und noch nicht so recht wusste wo die Reise hingehen sollte. Ich habe in der Gruppe von den anderen so viel gelernt und habe mich über zwei Jahre fast täglich bei Facebook eingeloggt nur um in dieser Gruppe aktiv zu sein.

Mit der Zeit hat sich jedoch meine Begeisterung sehr stark reduziert.

Es waren Frauen (es ist übrigens eine reine Frauengruppe), die nach Rat gefragt haben und im selben Atemzug anderen Frauen vorgeworfen haben „mit dem Mann/dem Job/den Kindern/you name it“ einfach „Glück“ gehabt zu haben. Wenn ältere, erfahrenere Frauen ihnen einen Rat gegeben haben, wurde sofort abgeblockt und auf „das Glück“ der anderen verwiesen.

Irgendwann wurde es mir wirklich zu blöd, denn die Wahrheit ist doch: Wir haben es selbst in der Hand.

Natürlich hängt es auch noch stark vom Elternhaus, der Herkunft, teils auch von der finanziellen Situation ab. Meiner Meinung nach wird all dem aber viel zu viel Gewicht beigemessen. Man kann aus einem zerrütteten Elternhaus kommen und trotzdem eine funktionierende Beziehung führen. Beispiele gibt es genug.

Oder nehmen wir mal Menschen, die erst fremd in diesem Land waren, sich dann eingelebt haben, fleißig waren und es, wie es so schön heißt, „zu etwas gebracht“ haben. Solche Beispiele gibt es Zuhauf.

Ich finde es befremdlich wie Feminismus in unserem Land teilweise definiert wird. Da wird einfach mal pauschal gegen alle Männer gekämpft. Wtf? Als wären alle Männer per se böse und alle Frauen Schwestern im Geiste. Ah ja…

Gleichzeitig ist man aber für Gendergerechtigkeit. Letzteres ist für mich irgendwie selbstverständlich. Zur gleichen Zeit diskriminiere ich doch keine „alten, weißen Männer“. Was ist nur los mit den Feministinnen?

Für mich bedeutet Feminismus auf Missstände aufmerksam zu machen. Es sind zu wenig Frauen in Führungspositionen? Das muss geändert werden. Punkt. Ob da jetzt ein „alter, weißer Mann“ im Weg steht oder nicht – wen interessiert´s? Haben sich wirklich alle starken Frauen gefragt, ob sie dies und das dürfen? Nein, sie haben einfach mal gemacht. Mit Sicherheit standen auch denen viele „alte, weiße Männer“ im Weg.

Und da sind wir auch schon bei dem Thema, das mir am meisten unter den Nägeln brennt.

Warum nicht einfach machen?

Bevor man lange darüber diskutiert, dass zu wenig Mädchen in der Schule in die IT-Richtung gehen, einfach machen. Bist Du Programmiererin? Dann kläre auf und erzähle einfach wie genial Dein Job ist. Das ist Beispiel und Vorbild genug.

Oder das Thema Kinderbetreuung. Ich kann es einfach nicht mehr hören. Gerade in der Pandemie sind viele Frauen absolut am Limit, weil KiTas geschlossen haben. Aber ist DAS der einzige Grund? Oder wäre es ihnen vielleicht auch schon geholfen, wenn die Männer ihnen die Kinder öfter abnehmen würden und sie sich auch mal um sich selbst kümmern könnten?

Wir brauchen auch Quoten für Männer, die etwas vollkommen selbstverständlichen nachgehen wie der Kindererziehung. In Wirklichkeit kennt man selbst in großen Unternehmen jeden Mann, der länger als 2 Monate Elternzeit genommen hat, immer noch beim Namen. Wtf?

Ich hätte, bevor ich Mutter wurde, auch niemals gedacht, dass es in unserem Land noch immer nicht selbstverständlich ist, dass sich beide (!) Elternteile ums Kind kümmern. Fragen wie „Und, hilft er (gemeint ist mein Mann) auch?“ haben mir innerlich oft das letzte bisschen Hoffnung an die bald herrschende Gleichberechtigung geraubt.

Helfen? Wobei? Bei der Betreuung SEINES (!) Kindes? Wow!

Wer so redet, und dann womöglich auch noch in Anwesenheit von Männern, der zementiert die alten, nein uralten Denkweisen immer weiter. Dieselbe Frage verstehe ich im Zusammenhang mit dem Haushalt oder Kochen aber auch nicht. Soll ich jetzt für jemanden kochen? Was macht ER dann in der Zeit? Fernsehen? Zocken? Ernsthaft? Im Jahr 2021?

Ich würde mir wünschen, dass mehr Frauen erkennen, dass sie im Leben und vom Leben alles haben können. Alles, was sie wollen.

Sie wollen Karriere? Heute ist alles möglich und Vorbilder gibt es genug. Sie wollen zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern? Ja, warum nicht?

Traurig wird es erst, wenn sie eigentlich das Eine haben wollten, aber das Andere bekommen, weil

  • es keine Kinderbetreuung gibt
  • der Arbeitgeber in den 60igern stecken geblieben ist
  • zu viele Vorurteile in der Familie/im Freundeskreis gibt (und man auf diese hört)

Es ist noch ein weiter Weg…

In die Köpfe von uns, Frauen.

Es wird wohl noch etwas dauern bis wir begreifen, dass wir einfach mal machen sollen. Einfach mal bewerben, auch wenn wir „nur“ 80% der Anforderungen mitbringen (die Männer bewerben sich statistisch schon bei knapp der Hälfte der Anforderungen – kein Scherz).

Einfach mal anfangen in Kleinen, also zu Hause, für Gleichberechtigung zu sorgen, bevor man sich die Nachrichten zur Frauenquote reinzieht. Einfach mal die Karten neu mischen und das Familienbudget anders aufteilen.

Machen, nicht quatschen.

Und während man für die Familie kocht, kann der Mann z. B. die Wäsche machen. Und ich wünsche allen Frauen sehr, dass kein T-Shirt für 620 EUR in dieser Wäsche ist, sondern das Geld dort ist, wo es hingehört:

Im Depot, in eurer Weiterbildung oder dem Herzensprojekt. Außer das Herzensprojekt war das T-Shirt, dann go for it!

Einen schönen Weltfrauentag wünsche ich euch <3

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