If you can´t be positive, then at least be quiet. - Ein Kommentar

…then at least be quiet.

Das ist einer meiner Lieblingssprüche. Nein, eher mein Lebensmotto.

Eins vorab: Ich bin mit Sicherheit keine Heilige und spreche nicht niemals über andere Menschen. Menschen sind Menschen und wir können gar nicht anders.

„Wir können nicht nicht kommunizieren.“ Paul Watzlawick

Es liegt also in der Natur der Menschen mit anderen Menschen und manchmal auch über sie zu kommunizieren. In der Schule ist das noch „Lästern“, später im Büro ist das der „Flurfunk“. Aber egal, wie man es nennt, warum muss es so oft ausarten? Warum spricht man immer weniger miteinander, sondern lieber übereinander? Und warum meint man zu jedem Thema eine Meinung zu haben? Ich verstehe es wirklich nicht.

Einfach weitergehen

Vor ein paar Tagen wurde eine Bloggerin, die ich persönlich kenne, (mal wieder) angefeindet. Den Post dazu findet ihr hier. Auf Instagram ging es dann auch noch weiter… Wobei die Person, die auf ihrem Blog einen anonymen Kommentar hinterlassen hat, dies anschließend nicht so gesehen hat. Es ging – oh Wunder! – um eine Hochzeit und das dazugehörige Hochzeitskleid. Die Bloggerin zeigte stolz Fotos von sich in ihrem Hochzeitskleid (mal auf der Zunge zergehen lassen) während ihrer Hochzeit! Es war KEIN gestelltes Shooting für eine Marke. Es waren sie und ihr Freund (bzw. jetzt Mann), die auf den Fotos glücklich in die Kamera strahlten.

Als die Bloggerin mit ihren Lesern die Info teilte, dass sie ihr Kleid schon Monate vorher bei einer Modekette kaufte, gab es ein paar (wenige) merkwürdige Kommentare.

Zugegeben, auch die eher negativen Kommentare bekamen auf Instagram diverse Likes und Bestätigungen. Einige Kommentatoren bemängelten die Qualität des Kleides und die Tatsache, dass es eben „von der Stange“ sei. Es war nicht nur ein Kommentar, sondern mehrere Menschen, die hier offensichtlich ihre Meinung kundtun wollten.

Jetzt frage ich mich (wie die betroffene Bloggerin im Übrigen auch): Muss das sein?

Kann die Person, wenn sie die Bloggerin nicht darüber informiert, dass ihr Kleid nicht hochwertig genug für eine Hochzeit aussieht, deshalb nachts nicht schlafen? Treibt sie das schlechte Gewissen einen Kommentar nicht abgegeben zu haben um? Bekommt sie am ganzen Körper Pusteln, weil sie einfach nichts geschrieben und stattdessen weitergescrollt hat?

Ich nehme stark an, dass nichts dergleichen passiert wäre.

„Aber die Blogger sind doch Personen öffentlichen Lebens“

Und dann gab es – oh Wunder! – mal wieder ein paar Stimmen, die meinten, dass die Blogger doch bitte auch kritikfähig sein sollten. Immerhin stünden sie ja in der Öffentlichkeit und dürften deshalb kritisiert werden (Whaaaaat?!)

Das kann man natürlich so und so sehen. Ein kleines Beispiel und das Spiel „Finde den Fehler“:

Version 1: Die Bloggerin postet ein Outfit in ihrem Garten und schreibt dazu, dass sie die Klamotten ganz günstig gekauft hat. Jemand kommentiert, dass er das Outfit eher nicht so schön findet.

Version 2: Die Bloggerin postet ein Bild von ihrer eigenen (!) Hochzeit (!!) und schreibt, dass sie das Hochzeitskleid günstig gekauft hat und sich freut es in Zukunft noch öfter anziehen zu dürfen.

Wer hat den Fehler gefunden?
Ich löse mal auf:

Version 1: Es ist ein x-beliebiges Outfit. Wenn mich jemand schon fragt: Wie findet ihr das? Hättet ihr das genauso kombiniert? Was sagt ihr zu den Schuhen/der Jacke/der Hose? Dann, aber vielleicht auch dann, würde ich mich zu einem Kommentar hinreißen lassen. Aber wir erinnern uns an meinen Lieblingsspruch aus dem Titel zu diesem Artikel: If you can´t be positive, then at least be quiet.

Verison 2: Geht gar nicht. Niemals. Nie! Es ist die EIGENE HOCHZEIT! Der eine Tag im Leben! Was bitteschön nötigt jemanden dazu einen kritischen Kommentar abzugeben? Warum scrollt man nicht einfach weiter zu nächsten Bild? Instagram bietet wahrscheinlich Mrd von Bildern! Warum dieses eine Bild kommentieren?

Es geht mir nicht in den Kopf!

Ich bin wohl einfach zu alt für den Scheiß!

Und das meine ich so. Als ich mit Anfang 20 mein Studium geschmissen und eine schulische (sprich: nicht in einem Betrieb) Ausbildung begonnen habe, traf ich dabei auf ein anderes Mädel, die genau das gleiche „Schicksal“ ereilt hat. Wir konnten beide unsere Ausbildung aufgrund der Vorbildung (Abi + abgebrochenes Studium) verkürzen und waren damit sofort die Außenseiter.

Nach Monaten fanden wir heraus, dass es eine Art Klassenheft gab, in dem die „coolen Mädels“ (muss ich exta erwähnen, dass manche von ihnen die Abschlussprüfung in den Sand gesetzt haben?!) über uns abgelästert haben. Irgendjemand hat uns dann heimlich Sachen aus diesem Heft vorgelesen und wir mussten wirklich laut lachen!

Während wir beide uns im Unterricht auf Wirtschaftsenglisch und Spanisch konzentriert haben, schrieben die anderen ihre Heftchen voll, die sie auch noch in der Klasse rumgehen ließen. Am Ende haben sie entweder mit Ach und Krach bestanden oder sind eben heulend aus den Prüfungen raus und haben drei (!) Jahre ihres Lebens in den Sand gesetzt.

Meine Freundin und ich beendeten nach nur einem Jahr (Verkürzung sei Dank) die Ausbildung. Dabei haben wir beide kaum etwas für diese Ausbildung getan; also weder besonders viel gelernt noch hatten wir immer die Hausaufgaben parat. Wir haben schlicht und ergreifend die paar Stunden, während wir im Unterricht saßen, einwenig aufgepasst. Dafür wurden wir als „Streber“ abgestempelt…

Schon damals dachten wir beide uns: Wir sind einfach zu alt für diesen Mist. Dabei waren wir alterstechnisch gar nicht die Ältesten in der Klasse. Und trotzdem kamen mir diese Aktionen schon damals einfach nur kindisch vor.

Warum hatte hier jemand das Bedürfnis Dinge über uns zu schreiben? Im Nachhinein fühlte ich mich schon fast geehrt: Da opferte jemand seine Zeit und Energie nur für mich. Wow! Nebenher opferten so manche auch ihre Zukunft, weil ihnen am Ende schlichtweg das Wissen fehlte, um die Prüfung erfolgreich zu bestehen. Shit happens…

Jahre später merke ich, dass ich mich wieder mit so einem Mist auseinander setzen muss. Die meisten Bloggerinnen sind keine 16, sondern eher Mitte/Ende 20 aufwärts. Ich nehme an, dass die Leser im Schnitt ebenfalls so alt sind. Meine Leser/Follower sind lt. diverser Analyse-Tools zwischen 25 und 34 Jahren.

Wo fängt Lästern an

Wenn man einen Blog betreibt oder in irgendeiner Form eine Online-Präsenz hat, kommt man früher oder später mit negativen Kommentaren in Kontakt. Das ist normal und jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Auch ich bin schon kritisiert worden: Manchen Agenturen war ich als Veranstalterin des BloggerBUREAU nicht offen genug (wollte die Adressen nicht rausrücken) und so manch einem Gast bei einem der Events passte das Essen nicht („Hipster-Essen“). Ja, was soll ich dazu sagen? Es wird immer Menschen geben, die unzufrieden mit sich und der Welt sind und dies auch kundtun wollen.

Wenn ich sage, dass es auf einem Event keinen Kaffee gab (sondern nur Tee), ist das eben Feedback und als solches zu verbuchen. Wer da zickt – selbst schuld. Es gab eben keinen Kaffee. Notiz: Nächstes Mal für Kaffee sorgen. Punkt.

Wenn ich jedoch sage, dass es Hipster-Essen gab oder das Event schlechtrede, weil ich nicht als VIP behandelt wurde (und z. B. zu einem Teilevent, zu dem nur ausgewählte Leute kommen durften, nicht eingeladen war), dann ist das schlicht und ergreifend negative Stimmung, die ich verbreite.

Sagt man dann, dass Bloggerin XY im Kleid von XY doof und billig aussah (als Beispiel), ist das einfach keine Kritik mehr, sorry. Dann ist man nicht besser als ein Schmuddelblättchen, das die Orangenhaut der Promis abbildet, die sowieso schon zu ihren Kurven stehen.

Es ist also durchaus ein Unterschied, ob ich über jemanden lästere, weil ich ihn einfach bewusst verletzen will oder ihm den Tag madig machen will (z. B. die eigene Hochzeit) oder ob ich konstruktive Kritik äußere. Leider wird es von vielen Menschen allzu oft durcheinander gebracht.

Das ist schade, denn niemand möchte selbst so verletzt werden. Keiner möchte sich den ganzen Tag schlecht fühlen. Wie wäre es also, wenn man beim nächsten Mal einfach nur nichts schreibt und weiterscrollt? Wenn man konstruktiv und direkt (bitte nicht in WhatsApp-Gruppen) kritisiert und am besten noch Verbesserungsvorschläge macht? Und auch nur dann seine ehrliche Meinung sagt, wenn man danach gefragt wird?

Dabei dürfte einwenig Fingerspitzengefühl nicht schaden. Es gibt bestimmte Personen (z. B. Kinder) und Ereignisse (z. B. Hochzeit), die man als Außenstehender nicht kritisiert. Denkt euch doch einfach euren Teil. Niemand wird gezwungen dasselbe anzuziehen, dasselbe zu tragen oder zu denken. Jeder kann das tun und lassen was er möchte.

Vor allem aber sollte man daran arbeiten seine Gedanken so positiv wie möglich zu gestalten. Gedanken werden zu Worten und Worte werden zu Taten – das ist nicht einfach nur dahingesagt. Denkt mal drüber nach.

Und nicht vergessen: #spreadsomelove.

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