Murmeltier Wanderung in den österreichischen Alpen5 min read

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Der Begriff „Murmeltierwanderung“ lässt einen Titel für so manches Hörbuch vermuten, in dem die Charaktereigenschaften einer Gruppe von Menschen auf komödiantische Art und Weise dargestellt werden: „Murmeltier“ als Synonym für die Teilnehmer einer Reisegruppe. Diese Annahme sollte sich unvorhergesehen als wahr herausstellen. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Murmeltierwanderung um eine Unternehmung, bei der eine limitierte Reisegruppe (vier bis acht Personen) den Berg hinaufsteigt, um Murmeltiere zu beobachten. Organisiert wird dieses Erlebnis vom Posthotel in Achenkirch am Achensee in Tirol.

Los geht´s…

Nach einem kurzen Snack am frühen Morgen im Posthotel und der Anfahrt ins Unterautal beginnt dieser Tagestrip. Nachdem wir uns schon ein wenig beschnuppert haben, machen wir uns auf den Weg zur Gröben Alm. Wir, das sind meine Frau Anna, ich, ein Berg erprobtes Touristenpaar aus Wien und Gerti, unsere Reiseleiterin und Murmeltierexpertin, wie sich später herausstellte.

Jetzt geht´s bergauf!

Der erste Kilometer führt in einem flachen Streckenabschnitt entlang des Unteraubachs durch das Unterautal. Unter den Kursteilnehmern beginnen sich die ersten Gespräche zu entwickeln. Beispielsweise wird darüber diskutiert, inwieweit das Internet die Welt beschleunigt hat und dass diese ständige Erreichbarkeit über das Firmenhandy psychische Krankheiten wie Burnout fördert. Die Wetterlage ist bewölkt und die vier Reiseteilnehmer sind etwas skeptisch, ob es entgegen der Einschätzung der erfahrenen Gerti vielleicht doch Regen geben könnte. Die beiden vielgereisten Wanderer machen sich wenig Sorgen, denn sie sind gut ausgerüstet mit vollgepackten Rucksäcken.

Bei Anna und mir sieht das etwas anders aus. Wir sind nicht auf die Tour vorbereitet, sind ohne Wanderausrüstung angereist. Auf den ebenen Streckensektor (Dauer ca. 20 Minuten) folgt der Steilhang. Ebenso wie schon im ebenen Streckenbereich ist der Untergrund ein breiter, gut zu belaufender Schotterweg. Schon nach ein paar Metern ist ein serpentinenartiger Verlauf erkennbar. Die Gespräche werden fortgesetzt. Gerti beantwortet erste Fragen zu den „Murmeln“, wie sie die Murmeltiere liebevoll nennt. Dass die possierlichen Tiere einmal jährlich einen Nachwuchs zwischen ein bis fünf Jungtieren vorweisen und diese dann nach zwei Jahren auswandern und Ihre eigene Familie gründen, erzählt uns Gerti. Oder dass der größte Fressfeind der Steinadler ist und dessen Annäherung durch durchgängiges Pfeifen (als Warnsignal) kommentiert wird. Es beginnt nun doch zu regnen.

Gemeinsamkeiten

Ein spätsommerlicher Schauer, wir machen uns nichts daraus. Es wird gleich wieder aufhören. Die Gespräche gehen weiter: Diskussionen über die österreichischen und deutschen Politiker oder über die europäische Lage. Beruflich kommt man teilweise auf einen gemeinsamen Nenner: Eventmanagerin von Holzmessen meets Außendienstmitarbeiter, der Anlagen zur Trocknung von Holz vertreibt und auf genau dieser Messe ausstellt. Zufälle gibt´s!

Der Regen kommt einem erträglicher vor, wenn es gemeinsame Gesprächsthemen gibt. Wir sind ca. 45 Minuten unterwegs. Gerti erklärt uns, dass wir nach weiteren 20 bis 30 Minuten die Baumgrenze erreichen werden. Übrigens: Gerti ist mit nur einem T-Shirt und Ihrer dünnen langen Wanderhose bekleidet. Selbst sie beginnt zu frieren. Wir gehen weiter und erreichen eine Schutzhütte, die etwas unterhalb unseres Ziels, der Gröben Alm, liegt. Wir stellen uns dort unter.

Man spricht zu diesem Zeitpunkt sehr viel über das Wetter und hofft, der Regen werde nachlassen. Es ist kalt, die Stimmung jedoch ist ungetrübt. Man macht Fotos voneinander. Jeder darf den anderen einmal ablichten. Der Regen lässt etwas nach und wir gehen weiter. Wir erreichen nach ungefähr 2,5 Stunden unser Ziel: Die Gröben Alm liegt etwas oberhalb des Murmeltierbaus und wir starten erste Versuche, die Tiere zu erblicken. Aber vergebens: Wir befinden uns zu weit weg und die Berge sind durchzogen von Nebelschwaden.

Endlich gibt es Schutz in einer Hütte

Wir beschließen, uns vorerst in die Hütte zurückzuziehen. Sie steht seit zirka einer Woche leer. Der Senner ist schon in den verdienten Winterurlab abgedüst. Durch einen großen Vorraum begeben wir uns in die Küche, in der ein Tisch und ein Holzofen stehen. Ein paar Requisiten wie Tee oder eine Saftschorle für verlorene Gäste wie wir haben uns die Wirtsleute überlassen. Nach erfolgreicher Suche finden wir zwei Kerzen, die wir freudig der Erwartung von Wärme anzünden. Wir packen unsere Luchpakete aus, stärken uns und sprechen miteinander. Themen sind das österreichische und deutsche Fernsehen. Wir stellen Vor- und Nachteile heraus.

Gerti fragt, wie wir unsere Zimmer im Posthotel finden, sie erklärt uns die schwierige Arbeitsmarktsituation in Österreich und wie kompliziert es sei, gutes Personal für ein 5-Sterne-Hotel zu finden. Die interessanten Gespräche in gemütlicher Umgebung (die Kerzen geben etwas Wärme ab) dauern ca. eine Stunde an, bevor wir uns aufmachen, um den Murmeltierbau zu beobachten. Querfeldein begeben wir uns etwas unterhalb der Hütte durch einen Flusslauf. Gerti instruiert, dass wir, sobald wir uns vor dem Bau befinden, keine hektischen Bewegungen ausführen sollen. Ohne große Erwartungen auf Grund der schlechten Wetterlage werden wir überrascht. Wir sehen zeitweise Murmeltierköpfe aus den Baueingängen herauslugen und fotografieren wie die Weltmeister.

Nach kurzem Aufenthalt vor dem Murmeltierbau treten wir den Rückweg an, hinab bis ins Unterautal. Der Regen hat inzwischen nachgelassen, die Sonne kommt heraus und wir setzen unsere Sonnenbrillen auf. Letzte Fotos entstehen. Beispielsweise mit einem Regencape für Anna, das wir uns aus der Hütte ausgeliehen haben. Kaum in unseren Shuttlebus eingestiegen, chauffiert uns Gerti zu einer Aufzuchtsfarm für verwaiste und kranke Murmeltiere. Nachdem wir ein Murmeltierpärchen bestaunt haben, fahren wir zum Hotel zurück und genießen dort erschöpft aber glücklich eine Fußmassage für Murmeltiere.

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2 Responses
  • Oli
    Oktober 8, 2017

    Hey,
    das ist echt schade gewesen, dass es soviel geregnet hat und sich die Murmeltiere wenig blicken liesen

    • Anna
      Oktober 8, 2017

      Hey Oli, ja leider war das Wetter genau an dem Tag nicht so überragend. Aber die ganze Tour an sich war es definitiv wert.

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