Reisen – Luxus oder völlig normal?6 min read

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Reisepläne schmieden gehört definitiv zu meinen liebsten Tätigkeiten. Ich fühle mich jedes Mal einwenig verloren, wenn ich nichts geplant habe. Und wisst ihr was? Aktuell habe ich nichts geplant. Das liegt vor allem daran, dass ich mich gerade sowieso in einer Phase befinde, in der ich gar nicht weiß wie es weitergehen wird. Es ist alles aufregend und spannend – ja, aber eben auch unbekannt.

Das ist nicht der einzige Grund weshalb ich bisher nichts geplant habe, aber es ist eben auch einer der Gründe. Im Moment macht es mir tatsächlich mehr Spaß mein Leben zu ordnen, Dinge auszusortieren und den Kopf freizubekommen. Aus letzterem Grund fahre ich zwar immer wieder weg, aber mache eben keine großen Reisen.

Und dann sind da natürlich noch die Finanzen. Wie gesagt, aktuell macht es mir tatsächlich mehr Freude Steuererklärungen zu machen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich das mal sagen würde. Niemals! Zwar mache ich meine Steuererklärung schon immer selbst (und nicht nur meine, auch die meiner Eltern, meines Mannes etc.), aber mir hat es nie so richtig Freude bereitet. Gerade bin ich dabei meine Sparpläne zu überdenken, Finanzen in Ordnung zu bringen (v. a. den ganzen Papierkram) und insgesamt aufzuräumen.

Vorhin bin ich dann über diesen Artikel von Franziska gestolpert. Mir gefällt ihr Blog und ihre Einstellung richtig gut! Und auch dieser Artikel trifft den Nagel mal wieder auf den Punkt. Konkret geht es darum, dass Reisen mittlerweile als selbstverständlich gilt und sie als Studentin oft gehört hat, dass man doch dafür sparen könnte. Das ist wirklich ein Witz, den nur Menschen bringen, die selbst genug Geld haben, ehrlich! Und ich kann sie da so gut verstehen, denn auch mir ging es früher nicht anders.

Zwar bin ich schon als Kind mit meinen Eltern viel gereist, aber damals natürlich nur innerhalb der Grenzen des flächenmäßig größten Landes der Welt. In den 80er Jahren war das Land, bzw. der Zusammenschluss der Republiken, noch größer. Meine Oma wohnte einige Flugstunden entfernt und dass Bahnreise auch weniger als zwei Tage dauern können, habe ich im Grunde erst mit 10, 11 Jahren erfahren.

Ende 1993 kam ich mit meiner Familie nach Deutschland und alles änderte sich. An Reisen haben wir damals gar nicht gedacht. Das Ziel war für meine Eltern klar: mein Vater würde so schnell wie möglich eine Arbeit finden (er sprach bereits Deutsch, da es seine Muttersprache ist), wir müssten so bald wie möglich die Sprache lernen. Schule, Ausbildung, Studium – völlig egal.

Aber wenn ich ehrlich bin, sind meine Freunde und Klassenkameraden damals auch kaum verreist. Gerade am Land war es nicht üblich wochenlang ans Meer zu fahren, schließlich hatte gefühlt jeder einen Hof, den er bewirtschaften musste.

Dagegen bin ich mit meiner Familie ständig verreist. Aber wisst ihr wie? Mit dem Auto und zwar ausschließlich. Es dauerte viele Jahre bis meine Eltern das erste Mal wirklich in den Urlaub ans Meer geflogen sind. Früher war das Meer nur eine Autostunde entfernt, jetzt mussten sie jahrelang darauf verzichten. Dafür haben wir uns halb Europa angesehen. Alles, was man irgendwie mit dem Auto erreichen kann, wurde zum Objekt der Begierde. Passenderweise kennen meine Eltern an jeder Landesgrenze jemanden oder haben Verwandte. So hatten wir jedes Mal mindestens eine Couch (Couchsurfing war damals noch gar kein Begriff) oder teilweise auch das ganze Stockwerk für uns – je nachdem wie die Freunde oder Verwandten gewohnt haben.

Zurück aus den Ferien klang das so als würden wir Tausende von Euro (bzw. damals noch Mark) für unsere Reisen ausgeben. Dass wir im Grunde nur Benzingeld bezahlt haben und das Essen von zu Hause mitgenommen haben, hörten meine Freunde gar nicht bzw. verstanden es nicht. Ich bin mir sicher, dass viele uns beneidet haben. Die Frage war deshalb nicht ob sondern wo wir – mal wieder – unterwegs waren. Aber, wie gesagt, diese Reisen waren einfach nur spottbillig.

Im Studium war es dann allerdings schlagartig anders. Ich bin mit 18 von zu Hause ausgezogen und habe auf Menschen getroffen, die alle mindestens 20 waren und schon mehrere Monate im Ausland verbracht haben. Alle! OK, es war ein internationaler Studiengang. Aber dass ich reisetechnisch so schnell zum Außenseiter werden würde, das hätte ich nicht gedacht. Viele meiner Kommilitonen haben neben ihrem Studium gearbeitet. Aber es war eben ausschließlich ihr Taschen- bzw. Reisegeld. „Ein Monat im Café und ich kann quer durch Südamerika trampen. Das ist auch gar nicht teuer!“

OK, die Lebenshaltungskosten mögen in Südamerika gering sein, aber wie zum Teufel kam man hin? Geld für ein Flugticket ausgeben… Oh Gott, das wäre für mich nicht in Frage gekommen! Von dem Geld, das ich mir nebenher verdient hatte, kaufte ich mir Zugtickets nach Hause oder eben Essen. Ja, soweit so banal.

Reisen war für mich schon immer meine Lieblingsbeschäftigung. Allerdings spielte es für mich eben keine Rolle wie ich verreist bin bzw. wo ich übernachtet habe. Heute ist es anders. Schlichtweg weil ich es mir leisten kann. Ich arbeite offiziell seit ich 14 bin. Seit über zehn Jahren arbeite ich im Vertrieb und Marketing wie man so schön sagt „rentenversicherungspflichtig“. Natürlich kann ich mir die Reisen mittlerweile leisten – das ist klar.

Aber auch ich finde ich regelmäßig befremdlich wenn Menschen unehrlich sind und so tun als ob, wie es Franzi in ihrem Artikel schreibt. Viele sind einfach nicht ehrlich. Meine Kommilitonen waren es auch nur auf Nachfrage. Achso, du musst gar nicht für Miete und Essen aufkommen und die Autoversicherung übernimmt dein Vater? Na dann ist es auch vollkommen logisch, dass du dir mit dem bisschen Kellnern locker eine Reise „erarbeitet“ hast.

Heute bin ich die Meisterin der „best deals“ was das Reisen angeht. Es macht mir einfach Spaß mich durch die Weiten des Internets zu wühlen und die besten Schnäppchen zu finden. Natürlich werde ich oft eingeladen oder bekomme von den Unternehmen etwas gesponsert. Trotzdem habe ich nie vergessen wo ich herkomme und wieviel die Reise „eigentlich“ (wenn man sie mir nicht finanziert hat) kostet. Ich gebe wirklich gerne Geld für Erinnerungen aus und da gehören Reisen für mich definitiv dazu.

Wohin die nächste Reise geht? Keine Ahnung. Wenn es sich ergibt, wird es eine etwas längere Reise werden… Ansonsten habe ich natürlich meine persönliche Bucket List und zig Länder, die ich bereisen möchte. Die, die ich bereits bereist habe, habe ich jetzt auf meiner Scratch Karte markiert. Besser gesagt habe ich die freigescracht. (Wieder so eine Wortkreation von mir, haha!) Auf dem Bild seht ihr die Karte „in Arbeit“. Bis ich alle Länder freigerubbelt habe, dauert es noch einwenig…

Mich würde es interessieren wie ihr zum Thema Reisen steht? Könnt ihr euch das leisten oder empfindet ihr Reisen nach wie vor als etwas Besonderes, worauf man zuerst sparen muss?

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