Nebenberuflich selbstständig – Tipps, Links und meine Erfahrung

Ich habe mich vor vielen Jahren selbstständig gemacht. Damals natürlich noch neben dem Beruf und ehrlich gesagt fühlte es sich auch nicht nach Selbstständigkeit an.

Ab 2015 habe ich dann mit der Organisation von Blogger-Events begonnen und das war in etwa auch das Jahr in dem ich anfing Geld mit meinem eigenen Blog zu verdienen.

Seitdem ist viel passiert.

Mittlerweile bin ich seit fast drei Jahren selbständig. Wow – wie die Zeit vergeht! Aktuell könnte ich es mir nicht anders vorstellen. Vor allem seit ich kurz vor Weihnachten letzten Jahres mein Traumbüro ganz in der Nähe unserer Wohnung gefunden habe, möchte ich es nicht mehr anders haben. Irgendwie fühlt es sich jetzt nach „richtiger“ Selbständigkeit an.

Dennoch kann ich jeden verstehen, der sich erstmal neben dem Beruf selbstständig macht.

In diesem Beitrag möchte ich meinen Weg in die Selbstständigkeit aufzeigen und meine Erfahrungen teilen.

An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine rechtliche und/oder steuerrechtliche Beratung dar. Es ist lediglich meine eigene Meinung (so wie alle Beiträge in diesem Blog zu 100% meine eigene Meinung abbilden).

Erste Schritte

Bei manchen ist da erst der Wunsch „irgendwas Eigenes“ zu machen. Sie haben noch keine Ahnung was genau, wollen aber unternehmerisch tätig sein.

Andere haben eine Idee und wollen diese verwirklichen.

Wieder andere wollen aus einem verhassten Job raus (übrigens die schlechteste Idee sich selbständig zu machen).

Bei mir waren es die Punkte 1 und 2. Ich wollte nicht von meinem letzten Arbeitgeber weg, sondern zu meinem sog. side hustle hin. Das ist motivationstechnisch ein großer Unterschied.

Wer also die Idee hat sich nebenberuflich selbstständig zu machen, sollte zuallererst seinen Arbeitgeber informieren. Je nach Beruf gibt es hier nämlich Einiges, das man beachten sollte. Ich würde mir immer schriftlich bestätigen lassen, dass der Arbeitgeber von der Selbstständigkeit Kenntnis erlangt hat und mit dem Vorhaben einverstanden ist. Das kann man formlos bei der Personalabteilung anfragen. Da ich bereits selbständig war bevor ich meinen letzten Job im Angestelltenverhältnis angetreten habe, war das Einverständnis des Arbeitgebers für mich Voraussetzung den Arbeitsvertrag überhaupt zu unterschreiben. Ist man bereits in einem Arbeitsverhältnis, sollte man einfach das Gespräch mit der Personalabteilung suchen.

Freiberufler oder Gewerbetreibender

Je nach Art der Tätigkeit ist man entweder Freiberufler oder Gewerbetreibender. Ich betreibe ein Gewerbe. Dieses meldet man beim Gewerbeamt (oder in kleineren Orten bei der Stadtverwaltung) an. Das geht relativ schnell und kostet je nach Stadt um die 40 EUR.

Ist man Freiberufler (dazu zählen manche Berufsgruppen per Definition), reicht ein Anruf beim Finanzamt.

Ich war zuerst Freiberufler (vor ca. zehn Jahren) und habe 2016 ein Gewerbe eröffnet. Beides hat Vor- und Nachteile. Infos gibt es u. a. hier:

https://www.gruenderlexikon.de/checkliste/informieren/gruendungsstrategie/freiberuflich-taetig/

Gründungszuschuss

Es gibt die Möglichkeit einen Gründungszuschuss zu beantragen. Informationen darüber findet ihr hier:

https://www.gruenderkueche.de/fachartikel/gruendungszuschuss-anspruch-antrag-hoehe-voraussetzungen/

Meine Meinung dazu: Es muss zwischen dem Sachbearbeiter und dem Antragsteller einfach passen. Punkt.

Ich kenne so viele Geschichten von Gründern, die einen tollen Businessplan hatten und den Zuschuss nicht bekommen haben. Andere Vorhaben waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt – die Zusage zum Zuschuss stand da aber im Grunde von Anfang an fest.

OK, das ist vielleicht einwenig übertrieben. Aber ihr wisst sicherlich was ich meine. Manchmal ist das Leben einfach ungerecht.

Ich musste für meinen Gründungszuschuss richtig kämpfen. Zwischendurch hat die zuständige Sachbearbeiterin gewechselt und tatsächlich hatte ich überlegt eine offizielle Beschwerde gegen diese Frau zu schreiben. Da ich aber noch nie eine Beschwerde geschrieben habe und im Grunde auch nicht mit negativen Vibes in meine Selbstständigkeit starten wollte, habe ich es gelassen. Wortwörtlich sagte die Dame zu mir „Wäre ich von Anfang an für Sie zuständig gewesen, hätten Sie von mir nicht mal den Antrag auf den Gründungszuschuss bekommen.“ Ihrer Meinung nach hatte ich einfach „zu gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ und „müsste mich nicht selbstständig machen“.

Aber da hat die Dame einfach grundsätzlich etwas falsch verstanden. Man macht sich ja (hoffentlich) nicht selbstständig, weil man keine andere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Irgendwie hinkt da die Logik.

Aber egal, am Ende habe ich ihn bekommen.

Um den Antrag überhaupt stellen zu können braucht man zwei Dinge: einen Businessplan und eine Tragfähigkeitsbescheinigung. Letztere habe ich bei der IHK geholt. Der für mich zuständige Mitarbeiter war sehr nett und hat sich bei einem persönlichen Gespräch Zeit genommen und mein Vorhaben für gut befunden.

An dem Businessplan saß ich länger als nötig, aber das ist einfach meinem BWL-Hintergrund geschuldet. Spart euch die Zeit und verliert euch nicht in Details. Die interessieren wirklich niemanden. Viel wichtiger ist der finanzielle Teil, also die ganzen zu Grunde gelegten Planungen und die Zahlen dahinter.

Für den Businessplan fand ich die Infos der IHK München super: https://www.ihk-muenchen.de/businessplan/

Recht für Selbständige

Ist man dann erstmal selbstständig, muss man sich bekanntlich um alles selbst kümmern. U. a. um alle rechtliche Themen. Dieses Buch fand ich bisher nützlich, gut aufgebaut und gleichzeitig leicht verständlich: https://amzn.to/3i6CDT7

Steuern für Selbständige

Ein Steuerberater ist Gold wert. Ich bin ehrlich: Bei mir hat es einige Zeit gedauert bis ich einen guten Steuerberater gefunden habe. Oder anders: Ich gehe davon aus, dass er gut ist. Das erste Treffen und das damit verbundene ausführliche Gespräch, bei dem er mir schon viele Fragen vorab beantwortet hat, fand ich sehr gut. Erst neulich habe ich gehört, dass eine Bekannte für eine ähnliche Beratung bei einem Steuerberater einige Hundert Euro bezahlt hat.

Ich habe mich entschieden die nächste Steuererklärung vom Steuerberater erstellen zu lassen. Alles andere, also die gesamte Buchhaltung, erledige ich selbst. Zwar habe ich Steuern im Studium immer gehasst, aber bisher bin ich mit dem dort erworbenen Wissen ganz gut weitergekommen. Seit 2021 arbeite ich aber intensiv an meinem StartUp BUREAUlingo und verkaufe in ein sog. Drittland. Und das ist mir einfach zu heikel und zu kompliziert. Für mich war erst das der Punkt die Steuer „abzugeben“. Andere Gründer vertrauen von Tag 1 ihre Steuerangelegenheiten einem Steuerberater an. Hier gibt´s einfach kein Richtig oder Falsch.

Networking

Für mich von Beginn an wichtig: Netzwerke & Kontakte. Darüber allein könnte ich jetzt seitenweise Tipps schreiben. Nach fast 4 Jahren Selbständigkeit und fast einem Jahr Corona-Maßnahmen sehe ich das mit dem Netzwerken mittlerweile etwas anders. Es gibt unzählige Gruppen, Stammtische und Möglichkeiten sich auszutauschen. Bei all dem Netzwerken sollte man jedoch aufpassen sich nicht zu verlieren.

Netzwerke sind extrem sinnvoll. Allerdings habe ich hier in den letzten Jahren zu oft und bei zu vielen Einladungen zugesagt. Am Ende befand ich mich in einer Bubble und traf bei jedem Event zu 90% auf immer dieselben Menschen. Und immer dieselben Menschen trafen auf mich – ihnen ging es also haargenau so wie mir. Und bestimmt dachten die sich auch „Ah ja, die Anna schon wieder.“

Manche Veranstaltungen waren eine endlose Abfolge von Vorstellungsrunden. Irgendwann habe ich mich gefragt mit wem ich anschließend wirklich in Kontakt bleiben möchte.

Konkret habe ich mir immer wieder diese eine Frage gestellt:

Welchen Mehrwert haben beide Seiten von diesem Kontakt?

Schon Ende 2019 habe ich das Netzwerken extrem heruntergefahren. Anfang 2020 kam dann die Pandemie und die Veranstaltungen, bei denen man mit anderen in Kontakt käme, wurden abgesagt.

Ende letzten Jahres dann habe ich wieder verstärkt an digitalen Events teilgenommen. Allerdings gehe ich mittlerweile generell viel sorgsamer mit meiner Zeit und meiner Energie um. Denn die Wahrheit ist: Während man bei einem Event ist und neue Leute kennenlernt, was für mich erstmal immer total verlockend klingt, bleibt die Arbeit liegen. Das gehört eben auch zur Wahrheit dazu und ich möchte das hier nicht unerwähnt lassen.

Daher mein Rat: Netzwerken – unbedingt, aber immer vorab abwägen.

Kundenakquise

• Wie komme ich an Kunden?

• Wer kauft meine Produkte?

• Wo kann ich meine Idee pitchen?

Ich werde oft gefragt wie ich an meine Kunden komme und was man zu Beginn machen sollte, um an erste Kunden zu kommen.

Aber die Wahrheit ist: Kundenakquise ist wirklich sehr viel einfacher als man denkt. Vielleicht geht es da „nur“ mir so, vielleicht liegt es an meinem Vertriebsbackground. Allerdings sagen mir das auch andere Gründer und Selbständige. Anfangs macht man sich Gedanken darum, später kommt es eher auf andere Dinge an. Z. B. den richtigen Preis (siehe nächsten Punkt). Oder aber sich zu organisieren (für mich DIE Herausforderung), Buchhaltung, Steuern und rechtliche Fragen. Im Grunde alles, aber nicht die Akquise (aktuelle Situation ausgenommen).

Meine Kunden finden mich über diverse Events. Ich habe noch nie wirklich Werbung gemacht. Mal hier und da eine Google Anzeige für ein paar Euro, aber eher um in Google Anzeigen fitter zu werden als um Kunden zu finden.

Soziale Netzwerke helfen da ungemein, Speaker-Engagements, selbstverständlich ein funktionierendes, bestehendes Netzwerk und eine gewisse allgemeine Präsenz.

Aber am Ende war das ehrlich gesagt meine geringste Sorge. Viel herausfordernder war das Thema Preise…

Preisfindung

… und alles, was dazu gehört, also auch die Definition der richtigen Zielgruppe, Personas und die eigene Positionierung.

Ich habe mich zu Beginn viel zu sehr unter meinem Wert verkauft. Mittlerweile kann ich darüber lachen. Zwischendurch war mir jedoch nicht nach Lachen Zumute. Ich habe viel gearbeitet und wenig verdient – das war frustrierend.

Heute würde ich mich niemals mehr unterm Wert verkaufen außer ich weiß, dass jemand gerade wirklich in Schwierigkeiten steckt und ich der Person mit meinem Wissen und meiner Erfahrung helfen kann. Bisher hat sich das für mich immer ausgezahlt (Karma-Konto mäßig).

In den ersten beiden Jahren der Selbständigkeit bin ich oft an Menschen geraten, die mich und mein Können nicht wertgeschätzt haben. Statt mir einzugestehen, dass dies einfach nicht meine Zielgruppe ist, habe ich versucht mich zu verbiegen. Einmal habe ich den kompletten Urlaub durchgearbeitet… Wie gesagt, heute kann ich darüber nur schmunzeln.

Mittlerweile gehe ich ganz offen mit meinen Preisen und meinen Vorstellungen um. Ich sage heute auch viel leichter Anfragen ab oder verweise auf Kollegen, die Interesse an dem jeweiligen Auftrag haben. (Hier kommen wieder die Kontakte und ein gutes Netzwerk ins Spiel.)

Buchempfehlungen

Zum Schluss habe ich noch ein paar Buchempfehlungen rund um das Thema Selbständigkeit und StartUp. Einige davon sind absolute Must-read, fast schon Klassiker. Hier meine All-time-favs-Liste (Affiliate-Links):

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