Von Frau zu Frau – Was hat mein Äußeres mit meinem Können zu tun?10 min read

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Aktuell gibt es ja eine riesige Debatte zur Diskriminierung von Frauen durch Männer. Und sie ist gut, man muss darüber sprechen – so viel steht fest. Was mir jedoch in diesen Debatten immer wieder fehlt ist eine differenzierte Betrachtung der Dinge und zwar geschlechtsunabhängig. Niemand spricht über das Verhalten von Frauen gegenüber anderen Frauen. Das findet im Grunde nicht statt. (Korrigiert mich wenn ich falsch liege.)

Ich bin es nicht gewohnt bei jedem Menschen, den ich treffe, sofort in Schubladen zu denken: Aha, ein Mann oder aha, eine Frau. Ja, ich bin nicht blind und registriere wer wer ist. Aber mein Verhalten bleibt MEIN Verhalten. Dieses Verhalten hat nichts mit dem Gegenüber zu tun. (Hat es natürlich evolutionsbedingt doch, aber das ist lediglich der unterbewusste Part, der da abläuft. Aber klar, ich bin kein Rotober, habe Psychologie studiert und bin mir dessen bewusst, dass mein Verhalten eben nicht nur durch mich selbst aktiv gesteuert wird. Das hätten wir also geklärt).

Mir ist es aber unerklärlich, warum Frauen immer nur zu anderen Frauen so dämlich sind. Eine Frau ist auf einen Mann sauer? Dann wird sie anderen Frauen gegenüber aggresiv. Eine Frau ist mit ihrem Leben unzufrieden? Dann startet sie ein Läster-Forum gegen eine andere Frau.

Nie im Leben würde doch eine Frau, die etwas auf sich hält und sich sowohl um ihr Inneres als auch um ihr Äußeres kümmert, ihre Zeit damit verschwenden andere Frauen klein zu machen. Leider kam es bisher noch nicht bei jeder Frau an.

Diese vielen Bücher, Blogs, Magazine (ich könne jetzt unendlich so weitermachen…) – wir leben doch in einer aufgeklärten Zeit, oder nicht? Warum also dieses Verhalten wie in der Steinzeit (ja, ich weiß, der Ur-Mensch in uns…)?

Die Situation, die ich – mal wieder – erlebt habe ist so neu wie sie alt ist. Ich erlebe das immer und immer und immer und immer wieder aufs Neue. J-e-d-e-s Mal, immer wieder dieselben Menschen – und zwar Frauen.

Die Situation

Das Ereignis ist wirklich kurz und schnell erzählt.

Person A erzählt über einen Verhandlungserfolg. Details sind an dieser Stelle sowohl banal als auch absolut uninteressant. Für Person A ist es das Ergebnis eines Gesprächs und in ihren Augen kaum der Rede wert. Aber es muss eben berichtet werden, also berichtet sie.

Person B erwidert darauf mit einer sagen wir mal Anerkennung der Leistung und fragt hinterher:
Was hattest du wohl bei dem Termin an?

So weit so banal. Und so alltäglich.

Es ist so alltäglich, dass man sie am liebsten schütteln möchte und ihr zurufen möchte, dass sie doch bitte aufwacht, dass wir im Jahr 2017 sind. Dass Frauen wählen dürfen, studieren dürfen, sich weiterbilden dürfen und ihre eigene Meinung haben. Dass Frauen erfolgreich sind, Unternehmen gründen, als Speaker zu Konferenzen eingeladen werden und überhaupt auch nur Menschen sind. Dass sie doch ihre kleingeistige Haltung bitteschön für sich behalten will, weil sie niemand hören geschweige denn weitertragen möchte. Niemand, wirklich niemand so denkt.

Stattdessen sagt man nichts. Weil man ja nicht die Ruhe im Team stören möchte. Weil es sowieso egal ist und der Graben, den man hiermit aufdeckt, viel tiefer ist. Es ist nicht diese Aussage an sich. Es ist vielmehr die Haltung, die Einstellung der Person.

Dieser Satz sagt so viel wie: Deine Leistung (dein Wissen, deine Fähigkeit zu verhandeln) kann es ja nicht gewesen sein. Es muss also ein kurzer Rock gewesen sein, ein tiefer Ausschnitt – irgendwas dergleichen.

Ich bin keine Jeans-Trägerin, das bin ich nie gewesen. OK, außer nur kurz, aber da war es meine Mutter, die im Kommunismus rebellieren wollte und mich mit einer Jeans statt einer Schuluniform in die Schule schickte. Mir war es damals nicht bewusst. Ich glaubte ihrer Geschichte in Richtung „Blasenentzündung vorbeugen, Gesundheit etc.“ Dabei lebten wir auf der Krim. Subtropisches Klima und so… Ich kann mich nicht erinnern dort jemals gefroren zu haben.

Und anscheinend habe ich es von meiner Mutter geerbt. Dieses hinterfragen, dieses nachforschen und dieses „die Dinge nicht als gegeben hinnehmen“. Wenn jemand sagt, dass etwas nicht geht, dann frage ich „warum nicht“? Matthias bringe ich damit regelmäßig zur Verzweiflung, wenn ich ihm Ideen präsentiere, die rein mechanisch/physisch nicht funktionieren (ich allerdings von Technik so viel Ahnung habe wie von Pflanzen – nämlich gar keine). Als Ingenieur erklärt er mir das in irgendwelchen Gesetzen, die 100 Jahre alt sind bei denen ich mich wieder frage, ob nicht schon einer auf die Idee kam sie zu widerlegen.

Kurzum: Ja, ich will´s wissen. Ja, ich bin nervig. Ich habe es mir mal erlaubt einen Ingenieur nach der Funktionsweise eines Produktes zu fragen. Damals war ich im Vertrieb und habe dieses eine Produkt vertrieben, hatte aber davon überhaupt keine Ahnung. Am Telefon wimmelte er mich ab. Allerdings kam er am nächsten Tag ins Büro und meinte, dass er nur deshalb so blöd drauf war, weil ihn noch nie jemand danach gefragt hat und es bisher keinen Vertriebler interessiert hat, was er da verkauft. Er war so perplex, dass überhaupt ein „BWLer“ das wissen wollte, dass er mich im ersten Moment einfach abwimmelte. Bei ihm kam meine Fragerunde gut an und er war bereit Rede und Antwort zu stehen.

Ich akzeptiere auch, dass ich anderen Menschen damit auf die Nerven gehe. Ich akzeptiere auch ein „nein“ – die größte Nervensäge auf Erden bin ich schließlich auch nicht. Aber etwas als gegeben hinnehmen, wenn es einfach zum Schreien ist? Sorry, das kann ich wirklich nicht. Bzw. ja, ich kann es schon machen. Aber es nicht zur Kenntnis nehmen und diese Person von da an nicht mit anderen Augen sehen? Das wäre zu viel verlangt.

Aber wie damit umgehen? Sein lassen? Lächeln? Ihr sagen, was man von ihrer Einstellung hält (Spoiler Alarm: nichts)? Sie zur Rede stellen? In die USA auswandern und sie auf 100 Millionen Schadenersatz verklagen?

Ich würde mich wirklich freuen, wenn wir keine amerikanischen Zustände bekämen. Nicht jetzt und nicht in zehn Jahren. Ich habe mit Kollegen aus den USA gearbeitet, die sich gewundert haben, dass bei uns 4-Augen Gespräche mit männlichen Vorgesetzten in einem geschlossenen Raum stattfinden und sich niemand darüber aufregt. Dass Frauen in einen Aufzug treten, in dem sich bereits ein Mann befindet und dieser nicht fluchtartig den Aufzug verlässt.

In den USA hätten die Männer viel zu viel Angst grundlos verklagt zu werden, nachdem sie mit Frauen allein in einem Raum waren. Es gibt wohl viele (auch erfundene) Geschichten und die Gefahr sei den Männern einfach zu groß, weshalb sie sie von vornherein vermieden haben.

Wäre es nicht unglaublich traurig wenn es auch bei uns soweit käme? Immer der Hintergedanke beim Mann, die Frau könnte ihn beschuldigen und die Angst bei der Frau, der Mann könnte sie belästigen oder psychisch angreifen? Unendlich traurig wäre das.

Andererseits haben wir Frauen aber kein Problem damit uns gegenseitig fertigzumachen. Aber sowas von gar kein Problem. Vor einigen Jahren kommentierte eine Kollegin mein Büro-Outfit mit den Worten „Naja, ich kleide mich nicht so wie du. Schließlich bin ich hier um zu Arbeiten und nicht um jemanden kennenzulernen.“ Dabei hatten sowohl sie als auch ich zu dem Zeitpunkt einen festen Freund. Warum also diese Bemerkung?

Langer Rede kurzer Sinn

Mädels, denen es genauso geht wie mir, deren Outfits ständig kommentiert werden (selbst wenn ich in einer langen Strickjacke in die Arbeit komme!), zieht euch weiterhin so an wie ihr wollt. Ihr müsst niemandem etwas beweisen und ihr könnt mit der Situation so umgehen wie ihr wollt: entweder ihr steht einfach drüber (soweit die Ratschläge in meinem Umfeld) oder ihr wehrt euch. Ihr wisst was ihr könnt. Und das, was ihr nicht könnt, müsst ihr bestimmt nicht mit tiefen Ausschnitten ausgleichen.

Ich habe anfangs überlegt, ob ich darüber schreiben soll. Und nein, es ist natürlcih nicht dieser eine Satz, der mich in meinem Glauben erschüttert hat. Das wäre auch wirklich schlimm und mit meiner Psyche wäre wirklich was nicht in Ordnung… Es ist aber so, dass es einfach diese Fülle ist. Dieses Selbstverständnis mit dem uns solche Sätze über die Lippen gehen. Dieses „steh doch drüber“, das wie selbstverständlich kommt.

Es geht aber vor allem darum, dass in der aktuellen Debatte Frauen wie selbstverständlich nur von Männern unter Druck gesetzt werden dies oder jenes zu tun, sie nur von Männern bescheuerte Kommentare zu hören bekommen oder psychisch fertiggemacht werden.

Ich kann mich übrigens an einen Beitrag bei „Mona Lisa“ erinnern, in dem es genau andersherum war: Männer erzählten anonym, wie sie von Frauen geschlagen wurden (den eigenen Frauen wohlgemerkt), beschimpft und psychisch unter Druck gesetzt wurden. Der Beitrag blieb mir vielleicht auch deshalb so in Erinnerung, weil er der einzige Beitrag unter vielen anderslautenden Beiträgen war. Anscheinend haben diese Männer keine Lobby und niemanden, der für sie einen Hashtag gestartet hat.

Vielleicht mache ich aus all den Aussagen im Büro eine Kolumne und veröffentliche sie in einigen Jahren anonym? Das wäre ein Spaß! Wie Frauen mit Frauen umgehen von anonym. Haha!

Aber am Ende bleiben die Fakten: Meine Outfits wurden von Vorgesetzten noch nie kritisiert oder als unpassend betitelt. Ich halte mich an die im Büro gängigen Normen wie Rocklänge eine handbreit überm Knie, blabla. Und vielleicht sollte ich mich einfach nur im Stillen freuen? Jedes Mal, wenn mich jemand fragt, ob ich heute einen wichtigen Termin habe (oder warum ich sonst so herausgeputzt bin), frage ich mich im Gegenzug was ich denn sonst hätte anziehen sollen. Morgen dann vielleicht in einer Pferdedecke in die Arbeit kommen? Oder doch in der Jogginghose? Achso, Moment mal, ich besitze ja keine (kein Scherz, ich bin stolze Nicht-Besitzerin einer Jogginghose).

Nein, ich habe keinen anderen Termin heute. Ich bin heute morgen aufgestanden und mir war nach einem schwarzen Büro-Rock mit Hemd und nicht der Jeans, die ich zum Hausputz anhabe. Finde dich doch bitte damit ab, dass ich so „rumlaufe“ wie ich das tue. Das hat nichts mit meinen Studiengängen, der Ausbildung, meinen Sprachkenntnissen oder meinem Wissensdrang nach Weiterbildung zu tun. Ich kann mich auch dann mit Menschen unterhalten, wenn ich einen Kartoffelsack anhabe. Es ändert nichts am Inhalt.

Was sich jedoch ändert, ist die Einstellung. In meinen Augen ist es auch der Respekt gegenüber meinem Gesprächspartner, dass ich eben nicht mit dreckigen Schuhen und einer zerrissenen Jeans vor ihm sitze. Kleidung ist aber auch immer ein Ausdruck unserer inneren Welt. Mir ist nach hohen Schuhen? Da tut es mir aber wirklich leid, dass es deine Gefühle verletzt und ich nicht den ganzen Tag in Winterstiefeln durchs Büro laufen will. Nicht. Nein, es tut mir nicht leid. An meinem Stil und meiner Klamottenauswahl wird sich nichts ändern.

Es wird höchste Zeit, dass Frauen gerade andere Frauen nicht auf ihre Kleidung reduzieren. Eine gut gekleidete Frau kann schlau oder dumm sein – ihre Kleidung sagt erstmal gar nichts aus. Genauso verhält es sich aber auch andersherum. Einbißchen mehr Bewusstsein für die wirklich wichtigen Dinge im Leben würde uns allen nicht schaden. Menschen auf ihre Kleidung zu reduzieren gehört mit Sicherheit nicht dazu.

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2 Responses
  • Nadine
    Oktober 29, 2017

    Super Post, Anna!! 🙂

    • Anna
      Oktober 30, 2017

      Danke, liebe Nadine!

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