Weltfrauentag und was ich davon halte

Heute ist Weltfrauentag. Er findet jedes Jahr am 8. März statt. Soweit so gut. Was ich allerdings merkwürdig findet: jedes Jahr. Sprich: Er fand auch schon letztes Jahr statt, und das Jahr davor und das davor usw. Warum wird der Weltfrauentag nun so explizit erwähnt und gefeiert?

Das Netz war schon die ganze Woche voll von diversen Meldungen zum Weltfrauentag. Postings von Politikerinnen, der virale Beitrag einer Immobilienfirma oder – mein Highlight – ein fast schon episches Video meines Namensvetters, eines Automobilherstellers.

Ich bin ehrlich: Ich tu mich nach wie vor schwer mit dem teils vorhandenen Frauenbild hierzulande. Und irgendwie komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass meine Kindheit und die Art wie ich die ersten fast 11 Jahre aufgewachsen bin, einen unglaublich großen Einfluss darauf hat.

Dass Frauen weniger verdienen nehmen in meinen Augen viel zu viele einfach so hin. Endlich regt sich hier mehr Widerstand und ich frage mich warum erst jetzt?

Quelle: Engel & Völkers Facebook-Page, EDITION F

Auch das Thema Berufswahl steht endlich (!) auf der Tagesordnung. Für mich nach wie vor selbstverständlich muss ich aktuell fast täglich lesen wie sich Frauen in „Männerberufen“ behaupten müssen.

Und wie es so oft ist, kann man etwas, das nicht existiert, nur schwer übersetzen. Man würde mich schlicht und ergreifend nicht verstehen. Und was soll das sein ein „typischer Männerberuf“?

Männerberuf ist ein Begriff, den es in meiner Muttersprache nicht gibt.

Dabei fällt mir eine Situation aus meiner Kindheit ein. Wir haben unser Haus renoviert, was für mich als Kind eine super-schöne Zeit war. Ich kann mir vorstellen, dass meine Eltern am Verzweifeln waren. Für mich war es das Paradies! Das Leben auf einer Baustelle – was will man sich als Kind noch wünschen? Heute kann ich darüber nur lachen.

Wir haben einige Zimmer tapezieren lassen, in anderen Zimmern wurden Wände gestrichen. Von einer Frau.

Für mich war es das Normalste der Welt

Wenn ich da an den Hausbau denke, den wir vor einigen Jahren erlebt haben (wir sind in eine neue Wohnung eingezogen, während an dem Haus noch weitergebaut wurde), kann ich mich an genau Null Frauen auf der Baustelle erinnern. Null. Keine einzige.

Gestern gab es im Frühstücksfernsehen einen Beitrag, über den ich auch wieder staunen musste. Darin ging es um ein junges Mädel, das eine Ausbildung im Handwerk macht. Darüber bloggt sie auch, was ich total spannend finde. Traurig, dass sie dabei eine Ausnahme ist. In dieser „Männerwelt“ und diesem „Männerberuf“.

Aber auch außerhalb der Berufswelt bin ich oft, sagen wir mal „anders“ als die Mädels in diversen Gruppen. Gerade jetzt, zum Weltfrauentag, wundere ich mich über die ein oder andere Diskussion. Da wird überlegt, ob man sich über eine kleine Aufmerksamkeit zum Valentinstag beschweren sollte. Warum? Weil nur Teilnehmerinnen einer Konferenz ein Geschenk bekommen haben, die Männer aber nicht. Ich musste den Beitrag 5x lesen eher ich sicher sein konnte ihn richtig verstanden zu haben. Darunter viele aufgebrachte Kommentare. Und nur ein einziger von einer Frau (mit Migrationshintergrund), die die Diskussion so wenig wie ich nachvollziehen konnte.

Ich kenne auch genug Frauen, die genervt sind, wenn Männer ihnen die Tür aufhalten. Ich selbst bin genervt, wenn sie es nicht tun. Wobei genervt hier das falsche Wort ist. Vielmehr denke ich mir „OK, deine Mum hat dich halt anders erzogen.“

Über die Frage im Restaurant „Zahlen Sie zusammen oder getrennt“ gibt es außerhalb unseres Landes schon genug Witze. Dazu muss man eigentlich nichts sagen. Nein, ich bezahle nicht im Restaurant. Ab und an lade ich meinen Mann ein. Also so in 1% aller Fälle. Und dennoch bin ich für Gleichberechtigung. Für mich schließen sich beide Dinge nicht aus.

Dafür räumt er aber auch die Küche auf und ist bei uns für die Wäsche zuständig. Dafür übernehme ich das Kochen und mache unsere Steuer. Wenn es um Technik geht, erzählt mein Mann ganz offen, dass ich das mache. Ich programmiere die Programmplätze auf dem Receiver im Haus seiner Eltern und habe auf dem Handy meiner Schwiegermutter WhatsApp installiert. So what?

Wer sagt, dass das „Männersachen“ sind?

Gleichzeitig ist es mir egal wer bei uns mehr und wer weniger verdient. In den bald zehn Jahren, in denen wir uns kennen, haben wir schon alle Konstellationen durchlebt.

Ich wünsche mir, dass jeden Tag Weltfrauen- und Weltmännertag ist. Das Einzige was Männer nicht können, ist Kinder kriegen. Sonst können wir doch alle alles, oder etwa nicht?

Zumindest bin ich so aufgewachsen. Ich habe meinem Vater mehr im Garten und beim Hausbau geholfen als meiner Mutter in der Küche zugesehen. Trotzdem kann ich kochen, nähen und stricken (ja, kann ich wirklich). Dieses Jahr möchte ich auf jeden Fall eine Programmiersprache lernen. Nachdem Matthias C++ gelernt hat, hat es mich irgendwie gepackt. Ein Männerding? Da lach ich doch laut.

Ich habe noch nie bei einer Hochzeit geweint – nicht mal bei meiner eigenen. Mich rühren aber Werbefilme wie diese zu Tränen. #freak • Quelle: Mercedes Benz, Business-Punk Facebook-Page

Ich gebe auf

In diesem Leben werde ich dieses Gender-Denken nicht mehr verstehen. Ich habe aufgegeben andere Sichtweisen zu diesem Thema verstehen zu wollen. Mir ist es egal, ob ich bei der Bank als Kunde oder Kundin geführt werde. Und nein, ich finde es nicht notwendig darüber zu diskutieren.

Ich will dasselbe verdienen wie mein männlicher Kollege – mindestens. Wenn ich besser bin, will ich mehr verdienen. Ich verstehe einfach nicht, was dagegen sprechen sollte. In meiner Welt ist es etwas völlig Normales. Dabei vergleiche ich mich auch Null mit anderen. Wie oft habe ich schon gehört, dass meine Kollegen weniger verdienen und ich deshalb nicht mehr Geld verlangen kann. So what? Natascha vom Blog Madame Moneypenny würde wohl sagen, dass die Kollegen schlecht verhandelt haben. Und nur weil andere nicht mehr haben wollen, soll ich mich jetzt unterordnen? Komische Begründung. Und was hat es mit Frauen und Männern zu tun?

„Für diesen Lohn würde kein Mann arbeiten.“ – aus dem Mund einer Frau. Warum nicht? Sobald wir das akzeptiert haben, haben wir doch schon fast verloren.

Zum Weltfrauentag wünsche ich mir mehr Gelassenheit und generell mehr Selbstverständnis. Gläserne Decke und Frauenquote im Unternehmen? Ab zu einem Unternehmen, das Frauen und Männer gleich behandelt. Im Übrigen gibt es dazu das AGG. Darin ist genau das, wofür so viele Frauen tagtäglich kämpfen, festgehalten. Mein Vorschlag ist weniger zu demonstrieren, zu debattieren, sondern solchen Arbeitgebern einfach den Rücken zu kehren. Bei dem aktuellen Fachkräftemangel kann es sich doch kaum ein Unternehmen leisten auf Frauen zu verzichten. Vielleicht dauert es noch 1-2 Jahre, aber irgendwann hat es der letzte Chef verstanden. Und da sind die Frauen schon bei Unternehmen, die sie zu schätzen wissen. Wäre das nicht viel effizienter als in reinen Frauen-Gruppen über die schlechte Behandlung zu lamentieren (und am Ende doch nichts dagegen zu unternehmen)?

Ich finde es erstaunlich, wie selbstverständlich wir zu Konsumverzicht aufgerufen werden, um es mal den Konzernen zu zeigen und sie zum Umdenken zu bewegen, während wir weiterhin für Firmen arbeiten, die uns Frauen nicht gleich behandeln. Warum nicht?

Zwei wirklich coole Communities, die ich euch empfehlen kann, sind die Facebook-Gruppen von Madame Moneypenny und Caroline Preuss.

Was ich mir wünsche…

Die vielen tollen Aussagen und Kalendersprüche sollen endlich Wirklichkeit werden.

Gerade Frauen sollten sich mehr unterstützen und nicht ständig mit blöden Sprüchen fertigmachen. Ob Aussehen, Klamotten oder der Job: Einfach mal akzeptieren und nicht darauf rumreiten.

Woran ich persönlich noch viel arbeiten muss, ist ein „Nein“ von Frauen zu akzeptieren. Immer dann, wenn ich es gut meine und z. B. Frauen als Speakerinnen für ein Event gewinnen will, schieße ich noch immer oft über das Ziel hinaus. Die allermeisten trauen sich die Aufgabe nicht zu. Das ist einfach Fakt. Die Nachfragen sind entsprechend:

Meinst Du wirklich, dass ich das kann?

So lieb von Dir, aber ich traue mich nicht.

Ich würde ja gerne, aber lass mich bitte noch den x-ten Kurs zur Selbstfindung machen. Irgendwann bin ich soweit.

OK, die letzte Aussage habe ich nie gehört, aber die meisten „Ausreden“ klingen in meinen Ohren genau so. Ich traue anderen Menschen mehr zu als sie sich selbst. Punkt.

Aber genau das muss ich akzeptieren. Irgendwann hab ich euch, liebe Zweiflerinnen, dann in Ruhe gelassen. Versprochen!

Aber heute wünsche ich euch einfach nur einen schönen Tag – egal ob Weltfrauentag oder nicht. Ihr seid toll wie ihr seid! Und falls ihr doch mal als Speakerin… Na, ihr wisst schon 😉

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